Freitag, 19. Oktober 2012

Das Fazit

Am Dienstag habe ich gefrühstückt, vollends gepackt und mich planmäßig von allen verabschiedet. Allein um mein Gepäck danach aus dem Zimmer ins Auto zu bringen habe ich fast eine Stunde Zeit gebraucht. Da hatte sich aber auch was angesammelt - unglaublich!


Gepäck :-)


Beim Transport zum Auto bin ich abwechselnd total ins Schwitzen gekommen (innen) und halb erfroren (draussen). Es hatte morgens um 09:00 Uhr in Hinterzarten noch -3°C. Das ist nicht mal mehr herbstlich! Dementsprechend sah es auch aus.

Das Gras ist nicht blass, sondern weiß vom Reif!

Da ich noch viel Zeit hatte, bis ich die Kinder bei Astrid abholen konnte, beschloss ich ein letztes Mal am Titisee vorbeizuschauen. Die Stimmung an einem relativ frühen Morgen unter der Woche war dort faszinierend. Der Titisee sah zuerst aus wie zugefroren, später war er teilweise eingenebelt.  Ich habe wirklich bereut, meine Kamera ganz tief im Koffer vergraben zu haben - so konnte ich nur doofe Handyfotos machen.




Ich fand Location und Stimmung passend, um die vergangenen fünf Wochen Revue passieren zu lassen, und für mich nochmals zu analysieren. Mein Fazit ist -trotz einiger unangenehmer Tage zwischendurch- durchweg positiv:

Es geht mir heute wesentlich besser, als vor fünf Wochen. Der Lupus schläft, die Füße sind nicht nur entlympht, sondern auch mit Strümpfen versorgt und werden hoffentlich in den nächsten Monaten keine Probleme machen. Das Sportprogramm ging mir vor allem in der letzten Woche ziemlich auf den Geist, hat aber sicher seinen Teil dazu beigetragen, dass ich mich insgesamt fitter fühle.

Obwohl ich mich vor allem in der ersten und letzten Reha-Woche ziemlich einsam gefühlt habe, habe ich einige sehr nette Leute kennengelernt, die ich zumindest zum Teil gerne ich meine "normale Wirklichkeit" mitnehmen möchte. Ich hatte viel Zeit zum Nachdenken (das kann man nämlich auch eingemummt auf dem Ergometer), was mir dabei geholfen hat, ein paar wichtige Entscheidungen zu treffen.

Bei euch allen möchte ich mich an dieser Stelle ganz herzlich bedanken: Für euer Interesse, eure vielen E-Mails, Blog-Nachrichten, Anrufe, Besuche und Päckchen, mit denen ihr mich immer wieder aufgeheitert und mir Mut gemacht habt. Ein ganz besonderer Dank geht an alle, die Markus und die Kinder in den vergangenen Wochen so tatkräftig unterstützt haben. Es waren viele Freunde daran beteiligt, dass ich überhaupt halbwegs guten Gewissens und ohne ernsthafte Sorgen so lange hier bleiben konnte.

Wie ihr an dem verspäteten Fazit erkennt, hat mich der Alltag wieder mit voller Wucht erwischt, kaum dass ich einen Fuß in heimatliche Gefilde gesetzt habe. Die meisten von euch Lesern werde ich in den kommenden Tagen und Wochen wieder regelmäßig sehen. Ich freue mich darauf schon sehr - es ist noch einmal etwas anderes, als nur zu telefonieren oder zu mailen.

Da ich euch nun nichts Spannendes mehr berichten kann, schließe ich diesen Blog mit dem heutigen Eintrag und einem Zitat von Oscar Wilde:

„Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten.“

:-*   :-*   :-* 

Montag, 15. Oktober 2012

Finale!

Gestern habe ich ein bißchen rumgetrödelt, Musik gehört, Kleidung hin- und hersortiert und damit meine letzten "Hausaufgaben" für die Ernährungsberaterin und die Psychologin vor mir hergeschoben. Ich hatte ja Zeit, so ganz ohne Besuch und Programm!

Kurz vor dem Mittagessen meldete sich Marion - ihre Familie und sie würden zum Titisee fahren und sich dort gerne mit mir treffen. Das war natürlich eine schöne Überraschung. :D  :D  :D

Ich aß zu Mittag, erledigte schnell meine kleinen ToDo's, telefonierte noch ein Weilchen mit Jana und kämpfte danach mit einem spinnenden Telefon. Dann war es auch schon Zeit loszufahren.

Ich hab mich sooo gefreut, als ich Marion am Titisee auf mich zukommen sah. Gemeinsam sind wir in eine Eisdiele gegangen und durch die Fußgängerzone geschlendert. Leider hatten wir nicht allzuviel Zeit, da sie wegen den Mädels nicht zu spät zurückfahren und ich pünktlich zum Abendessen in der Klinik sein wollte.

Heute ist mein letzter "aktiver" Tag hier. Deshalb hatte heute jeder Termin den Beinamen "Abschluss". Da gab es ein Abschlusswiegen, Abschlusstherapie und Abschlussgespräche mit meiner Stationsärztin, einem anderen Arzt und der Ernährungsberaterin.



Ab jetzt bin ich terminfrei. Heute Nachmittag gehe ich mit meiner Tischnachbarin endlich die lang ersehnte Schwarzwälder-Kirschtorte essen. Am Anfang meines Aufenthalts habe ich mir eine Torte in den kommenden fünf Wochen genehmigt - und sie mir bis zum letzten Tag aufgehoben. Danach werde ich packen.

Morgen früh muss ich mein Therapieheft abgeben, mich bei der Patientenverwaltung abmelden und nach dem Frühstück einen kleinen Verabschiedungsrundgang durch die Klinik machen. Dann möchte ich noch ein paar Kleinigkeiten besorgen und mache mich auf den Heimweg!

Muss jetzt noch die ganzen Abschlussberichte lesen. Ich melde mich morgen noch einmal, dann allerdings von zuhause aus - also noch nicht abschalten. ;-)

Samstag, 13. Oktober 2012

Kreuz und quer

Heute morgen nach dem Frühstück war ich bei einem sehr interessanten Vortrag zum Thema Stress. Es ging darum, welche hormonelle Kettenreaktion Stress in unseren Körpern auslöst und welche Krankheiten und Probleme dabei entstehen. Wir haben Tipps bekommen wie man Situationen, die als stressig empfunden werden, umgehen oder kognitiv neu bewerten kann. Darüber hinaus ging es um die Möglichkeiten Stress auf sinnvolle Weise aktiv abzubauen. Ich habe dauernd an Markus gedacht und hätte ihn so gerne dabeigehabt! :D :D :D

Nach dem Vortrag hat das schöne, trockene Herbstwetter mich nach draußen gezogen. Ich bin fünf Stunden kreuz und quer durch Hinterzarten gelaufen. Über Wiesen, in den Wald, durch den Ort, an kleinen Bachläufen entlang und über den Trimm-Dich-Pfad.

Im Wald habe ich eine ganze Packung Walnüsse an Eichhörnchen, Eichelhäher und diverse Meisen, Spatzen und Finken verfüttert. Sieben Eichhörnchen waren da - zwei rote, drei schwarze und zwei dunkelrotbraune. Die Kleinen sind so putzig und haben mir teilweise die Nüsse direkt aus der Hand genommen. Auch die Eichelhäher waren alle ziemlich mutig. Leider war es etwas schwierig gleichzeitig zu füttern und mit dem Handy zu fotografieren. Die meisten Bilder sind daher nichts geworden. Ein paar habe ich trotzdem für euch:

Zora
Hannibal
Munchkin
Gäckser
Als ich mit meinen Nüssen alle bedrohten Tierarten gerettet hatte, bin ich weiter in den Ort gezogen um ein paar Einkäufe zu erledigen. Leider gab es viele tolle Sachen und mir ging bald das Geld aus. Weil ich nicht alles tragen konnte und wollte, lasse ich mir alles an die Klinik liefern. Die Damen an der Rezeption werden heute noch Augen machen! :D :D :D

Auf dem Rückweg zur Klinik habe ich festgestellt, dass ich den Herbst mag. Zumindest, wenn es nicht dauernd regnet. Ich bin durch Laubhaufen gestoben bis es Farben geregnet hat und hatte einen Riesenspaß dabei.



Als ich allerdings bemerkt habe, dass auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein älteres Pärchen immer wieder kopfschüttelnd zu mir rübergeschaut hat, habe ich versucht mich wieder normal zu benehmen. So gut ich das eben kann. Keine Ahnung, was die sich gedacht haben. Vielleicht haben sie jetzt was zu Lachen, dann wäre das ja schon meine zweite gute Tat heute gewesen. Was will man mehr?

Freitag, 12. Oktober 2012

Wasser marsch!

Seit vergangenem Sonntag regnet es hier in Hinterzarten ununterbrochen. Mal schüttet es wie aus Eimern, dann nieselt es nur ein wenig, aber richtig trocken war es die ganze Woche noch nicht. Das hat nicht nur zur Folge, dass mein Walkkingprogramm in dieser Woche ausgefallen ist, sondern auch dass in ganz Hinterzarten kein Hahnenwasser verwendet werden darf, weil es verkeimt ist.

Starke Regenfälle - Keime im Trinkwasser

Daher funktionieren in der Klinik weder die Trinkwasserbrunnen, noch die Kaffeeautomaten. Wir bekommen sogar zum Zähneputzen Mineralwasser in Flaschen.

Das Wasser aus meinen Beinen ist aber inzwischen verschwunden. Ich war heute bei der Abschluss-Volumenmessung. Im rechten Bein habe ich 2 Liter weniger, im linken 1,5 Liter weniger. Wenn ich jetzt immer brav meine Strümpfe und die Zehenkappen trage, wird das eine ganze Zeit so bleiben.

Heute ist mir aufgefallen, wie herbstlich es in den vergangenen viereinhalb Wochen geworden ist. Die Bäume sind nicht nur viel bunter, sondern durch den vielen Regen auch schon leerer geworden.

bei der Ankunft
heute

Vom Herbstwetter abgesehen plagt mich nur das Heimweh. Die vier Tage, die noch vor mir liegen kommen mir unglaublich lang vor. Ich hoffe das Wetter bessert sich, damit ich wenigstens am Wochenende nicht im Zimmer rumgammeln muss. Freu mich schon wahnsinnig drauf, euch alle bald wiederzusehen.

:*  :*  :*

Mittwoch, 10. Oktober 2012

Strumpfine

Heute früh um kurz vor 6 hat das Telefon auf meinem Nachttisch geklingelt. Ich war noch im Bett, weil ich heute ausnahmsweise bis halb sieben hätte schlafen können, und bin furchtbar erschrocken. Am Klingeln erkannte ich, dass es ein interner Anruf war.

"Guten Morgen Frau Neuwirth, hier Strumpfanpassung. Ihre Erstversorgung ist angekommen. Um wieviel Uhr haben Sie heute Therapie? Sagen sie bitte ihrer Therapeutin, dass heute nur Lymphdrainage gemacht werden soll und nicht gewickelt wird. Nach der Therapie kommen Sie bitte gleich bei uns zur Anpassung vorbei?"

Ich habe vermutlich irgendetwas Zustimmendes genuschelt und bin nach einer Stunde Lypmphdrainage in die Strumpfanpassung gewackelt. Dort haben sich zwei nette Schwestern rechts und links neben mich auf die Liege gesetzt, sich Gummihandschuhe mit Noppen und mir eine seidene Anziehhilfe übergestreift und mich mit vereinten Kräften in ein schickes, neues Paar Flachstrickkniestrümpfe gezwängt.

Es war im wahrsten Sinne des Wortes eine Hau-Ruck-Aktion. Es braucht nämlich viele Hau-Rucks bis die Teile richtig sitzen. Das soll ich zukünftig täglich alleine hinbekommen??? Wird sicher spannend. Die Noppenhandschuhe habe ich mir dort gleich gekauft, die brauchten die netten Schwestern nämlich nicht weil sie mich eklig fanden, sondern damit man "besseren Grip" beim Strumpfanziehen hat und beim Hochziehen keine Blasen an den Fingern bekommt.

Noppenhandschuhe und Anziehhilfe

Wenn die Strümpfe dann erstmal sitzen, sind sie gar nicht so unbequem. Das hatte ich mir schlimmer vorgestellt. Was heute noch fehlt, sind die Zehenkappen. Die bekomme ich vermutlich morgen erst, da sie bei einem anderen Hersteller bestellt wurden. Die Zehenkappen kommen dann noch unter die Strümpfe. Ich weiß nicht, ob ich damit noch in irgendeinen alten Schuh komme. Leider brauchen die meisten Patienten mit Zehenkappen UND Strümpfen ihre Schuhe eine Nummer größer. Aber wo bekomme ich gescheite Damenschuhe in Größe 44 her??? Das war mit 43 ja schon katastrophal schwierig. Ich werde das testen, sobald ich die Zehenkappen habe und euch von meinen Erfahrungen berichten.

Fertig bestrumpft sieht das Bein übrigens so aus:


Ich finde es gibt Schlimmeres. Wenn es hilft, den Fuß flach zu halten soll es mir recht sein.

Nach zwei Stunden tragen musst ich mich in Strümpfen bei der Stationsärztin vorstellen, die den Sitz kontrolliert hat und gleich noch was zu bemängeln hatte. Also nochmal zur Strumpfanpassung, die haben aber nur etwas geraderücken müssen, nicht neu bestellen.

Bei meiner Psychotherapeutin hatte ich heute schon mein Abschlussgespräch. Sie sagt ich bin psychisch stabil und sehr reflektiert, deshalb macht sie sich überhaupt keine Sorgen um mich. Den Umgang mit chronischen Krankheiten muss man lernen, dass man mal bessere und schlechtere Tage oder Wochen hat ist völlig in Ordnung.

Ich habe noch eine Literaturliste von ihr bekommen sowie den Rat mir trotzdem in der Heimat einen Psychotherapeuten zuzulegen. Sie meint, die Wartezeiten bei den Kollegen sind wahnsinnig lang, man hat keine Chance einen Termin zu bekommen, wenn man spontan Unterstützung braucht. Also sollte man sich beizeiten einen vertrauenswürdigen Psychotherapeuten suchen, sich auf die Warteliste setzten lassen und nach der Kennenlernphase z.B. nur vierteljährlich Termine vereinbaren. Wenn dann etwas akut wird, eine Verschlechterung des Krankheitsbildes auftritt oder auch Probleme anderer Art, kann man ziemlich einfach die Terminfrequenz erhöhen. Wenn die schlechte Phase wieder vorbei ist, fährt man wieder in den Ruhemodus runter. Das klingt für mich ganz vernünftig, also werde ich mich auf die Suche machen, wenn ich wieder zuhause bin.

Autogenes Training klappt schon besser, erste Meditationserfahrung habe ich auch. Jetzt noch eine Gesprächstherapie beim Psychotherapeuten, dann bin ich bestimmt noch viel gechillter. Vielleicht werde ich bald Guru?
:D :D :D

Dienstag, 9. Oktober 2012

Aus dem Duden

Schwei­ne­hund, der

Wortart: Substantiv, maskulin
Bedeutung: niederträchtiger Kerl; Lump
Wendungen, Redensarten, Sprichwörter: der innere Schweinehund (Feigheit, Trägheit gegenüber einem als richtig erkannten Tun: den inneren Schweinehund überwinden)

kennt ihr den?

Mit diesem Lump schlage ich mich seit gestern wieder herum. Ich habe "als richtig erkannt" dass es an der Zeit ist wieder am klinikeigenen Sportprogramm teilzunehmen.
Aber sobald ich starten möchte, schieben sich hundert Argumente zwischen mich und meine guten Vorsätze. Ich huste noch ein bißchen; ich habe (immer noch!!!) Muskelkater von dem Ausflug in die Ravennaschlucht; eigentlich sind meine Beine schon ganz gut; in der Sporthalle schwitze ich immer und dann gibt es Zugluft weil die Fenster immer offen sind; draußen ist es kalt und es regnet; ich könnte mich nochmal erkälten, u.s.w.!

Ich glaube es liegt auch daran, dass ich niemanden mehr hier habe, der mich zum mitmachen animiert. Sind ja lauter Neue, die ich nicht kenne. Aber wie soll das dann zuhause werden? Da soll ich ja auch die Kompressionsstrümpfe anziehen und mich damit bewegen. Und dort gibt es kein Rundumprogramm mit Anleitung, nur ein paar Etagen tiefer. Da ist das Wetter auch nicht besser, aber ich habe kein Fitnessstudio im Keller.

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So weit war ich heute morgen mit dem heutigen Eintrag gekommen. Als ich beim Schreiben über die Angebote hier nachgedacht habe, bin ich doch lieber schnell runter in die Sporthalle gegangen. Ich habe heute nur an zwei Kursen teilgenommen, aber es hat für den Anfang gereicht. Spaß gemacht hat es auch, obwohl ich mir das heute früh gar nicht vorstellen konnte. Danach bin ich zu einem Vortrag über Lymphödeme gegangen. Ich dachte, ich weiß inzwischen schon ziemlich viel darüber, habe aber heute richtig dazugelernt. Bin also ganz zufrieden.

Wie ich das Programm zuhause weiterführen soll, weiß ich noch nicht so genau. Wer Tipps für mich hat, vor allem auch was die Selbstmotivation angeht - bitte melden!

Montag, 8. Oktober 2012

Immer wieder Sonntags...!

Heute hatte ich wieder Besuch. Diesmal hat meine Freundin Martina Markus und die Kids hierher begleitet. Noch immer total begeistert, aber auch durch einen heftigen Muskelkater lädiert, habe ich von meinem gestrigen Ausflug in die Ravennaschlucht berichtet und stolz meine neue Glasdeko hergezeigt. Wenn ihr mich also demnächst mal mit diesen Klunkern rumlaufen seht: Ihr dürft mir gerne Komplimente machen. Besonders lässig ist, wer in größerer Runde sagt, dass das schicke Teil aussieht wie handgearbeiteter Schwarzwälder Glasschmuck. Ich tu dann auch ganz erstaunt, dass ihr das erkannt habt. Versprochen!

Dekoteile

Die Kinder konnten sich nicht vorstellen, wie man Glas blasen und formen kann. Um diese Bildungslücke zu schließen, haben wir kurzentschlossen der Glasbläserei und der Riesenkuckucksuhr beim Hofgut Sternen einen Besuch abgestattet. Dort haben wir den Glasbläser dabei beobachtet, wie er eine Schale herstellt. Ist schon faszinierend, so ein Handwerk. Auch die handgemachten Schnitzereien im Kuckucksuhrenladen nötigen mir immer wieder Respekt ab. Daniel hat beides auch gefallen. Auf dem Weg zurück zum Auto fasste er seine Begeisterung in die Worte: "Mama, das ist echt toll - es gibt hier jede Menge Kruscht". Lapidar und wahr! :)

Da es nach unserem Abstecher immer noch regnete, sind wir wieder ins Badeparadies gegangen. Das war zwar schön, aber ich hätte mit den Kindern während meiner Zeit hier gerne ein paar schwarzwaldtypischere Ausflüge gemacht. Zum Schluchsee, zum Titisee, auf den Feldberg oder eben auch sowas wie die Schluchtenwanderung. Ganz oben auf meiner Liste steht auch noch Triberg mit den höchsten Wasserfällen Deutschlands und dem Naturerlebnispark. Hat aber leider entweder wegen Zeitmangel oder Wetter bisher nicht geklappt. Zumindest sind wir heute nach dem Baden noch kurz am Titisee gewesen und haben dort gegessen.

Inzwischen kann ich die Tage, die ich hier noch verbringen werde, tatsächlich schon an meinen Fingern abzählen - von den insgesamt 35 Tagen liegen plötzlich nur noch 9 vor mir. Das heißt, es gibt auch nur noch ein Wochenende für mich hier. Wer mich noch besuchen und mit mir eines der potentiellen Ausflugsziele unsicher machen möchte, sollte sich ranhalten. Falls jemand noch bessere Ideen hat, ich bin zu fast allen Schandtaten bereit.

Also: Wer hat noch nicht, wer will nochmal?

Sonntag, 7. Oktober 2012

Höllenmarsch zum Höllental

Okay - ich gebe es besser gleich am Anfang zu. Die Überschrift ist völlig übertrieben. Ich konnte diesem Wortspiel einfach nicht widerstehen! Aber lest selbst.

Heute ging es mir tatsächlich wieder gut genug, um eine erste Wanderung zu wagen. Inge hat mir gestern bei der Eierlikörparty Bilder von ihrem Ausflug in die nahegelegene Ravennaschlucht gezeigt. Dass sie mir den Weg dorthin nicht genau erklären konnte, lag nicht daran, dass sie schlecht erklärt hat, sondern eher daran, dass ich keinen der von ihr beschriebenen Bezugspunkte kenne. Also habe ich mich im Internet schlau gemacht. Dort findet man folgende Beschreibung:

"Die Ravennaschlucht ist eine wildromantische Schlucht, die von der Hochschwarzwaldgemeinde Breitnau ins tiefer gelegene Höllental führt. Wuchtige Felsklötze, steil aufragende Felswände, tosende Wildwasserbäche und kleine Wasserfälle wechseln sich ab und erzeugen eine beeindruckende Geräuschkulisse. Inmitten der Ravennaschlucht steht die Großjockenmühle, eine alte Bauernmühle aus dem Jahr 1883, die unter Denkmalschutz steht. Bemerkenswert ist die Wasserzufuhr für die alte Mühle. Die hölzerne Wasserzufuhrröhre, im alemannischen wird sie Kähner genannt, wird hier wegen des starken Gefälles der Ravennaschlucht durch das Dach der Mühle auf das Wasserrad geleitet.
Am Ausgang der Ravennaschlucht ins Höllental steht die Ravennabrücke. Sie hilft der Höllentalbahn beim Durchqueren des Höllentals. Mit 220 Meter Länge und 42 Meter Höhe gehört sie zu den größten Bahnbrücken Südbadens. An unteren Ausgang der Ravennaschlucht finden sich zudem die alte St. Oswaldkapelle aus dem Jahr 1148, eine Glasbläserei und eine Riesenkuckucksuhr. Am oberen Ausgang der Ravennaschlucht bietet sich im Haus Ketterer die Möglichkeit, einzukehren."


Hört sich doch gut an, oder?
Also habe ich mich heute morgen mit Conny, der Anführerin meiner Titisee-Wanderung, und zwei anderen Patientinnen auf den Weg gemacht. Um 10:00 Uhr sind wir bei perfektem Wanderwetter direkt an der Klinik gestartet.

Anfangs ging es fast ununterbrochen bergauf und ich hatte schon Zweifel ob ich die Tour schaffen kann. Zum Glück waren die anderen drei immer wieder bereit auf mich zu warten und gelegentlich zu pausieren. Ein wunderschöner Rundumblick hat uns dann bald entschädigt.

schöne Pausenaussicht

Bald darauf ging es abwärts - und da wir dem Flusslauf folgten blieb das zum Glück überwiegend so. Da die Wege schmal, steil und felsig oder wurzelig waren, war es aber auch bergab eine ziemlich anstrengende Strecke. 
unterwegs
  
Die Umgebung war echt faszinierend. Der Weg lief mal rechts, mal links des Bachlaufs, es gab niedliche Brücken, rauschende kleine Wasserfälle und Stromschnellen. Die Wände der Schlucht sind wirklich sehr steil - meist war rechts eine Abbruchkante und links ragten riesige Tannen dunkel in den Himmel. Die Sonne kam nur selten durch, aber die paar Strahlen die in der Schlucht ankamen, schafften eine ganz besondere, irgendwie verwunschene Stimmung.

rechts und links des Bachlaufs

Die heikelsten Stellen waren für mich ausgerechnet die Treppen, die über die allersteilsten Stellen helfen sollten. Mein Problem war - sie waren schmal und sehr, sehr steil. Die Walkingstöcke, die mir an vielen anderen Stellen äußerst hilfreich waren, waren auf den Treppen eher hinderlich. Aber geschafft habe ich es trotzdem. Naja - andernfalls würde ich ja auch nicht hier sitzen und euch schreiben :)

nicht gerade meine Freunde :(


Als wir in der Talsohle unter der Höllentalbrücke angekommen waren, zitterten meine Knie wie Espenlaub. Aber ich war so stolz, dass ich es geschafft hatte. Wir haben die Höllentalbrücke von unten bestaunt, und sind dann im wunderschönen Hofgut Sternen zum späten Mittagessen eingekehrt. 

Höllentalbrücke - 42 Meter hoch


Nach dem Mittagessen haben wir uns die Glasbläserei und einen großen Kuckucksuhrenladen angesehen, und natürlich an der Riesenkuckucksuhr auf die volle Stunde gewartet. In der Glasbläserei habe ich nicht nur Deko für mich gekauft, sondern auch das erste Weihnachtsgeschenk dieses Jahres.

Hofgut Sternen

altes Handwerk - die Glasbläserei

Zurück nach Hinterzarten sind wir mit dem Taxi gefahren. Dort haben wir uns noch einen Kaffee im Kurhaus gegönnt, dann ging es endgültig zurück zur Klinik. Stolze 7 Kilometer hat Connys Kilometerzähler angezeigt. Da das Gelände recht unwegsam und ich noch nicht hundertprozentig fit war, bin ich damit mehr als zufrieden. 

Wer Lust bekommen hat, den Weg selbst mal zu gehen - sagt mir bitte Bescheid, ich komme gerne noch einmal mit - so höllisch kann es also doch nicht gewesen sein. ;-)

Neue Berichte und vielleicht auch neue Ausflugstipps gibt es ab morgen wieder. :-*   :-*   :-*

Samstag, 6. Oktober 2012

Zwangspause

Seit der Hochzeit vor einer Woche bin ich krank. Vermutlich habe ich mich bei Petra angesteckt - die saß bei uns am Tisch und konnte nur flüstern. Vielleicht aber auch schon vorher in der Klinik, oder Daniel hat irgendwo ein paar Bazillen aufgegabelt und an mich weitergereicht. Ist ja auch nicht so wichtig. Jedenfalls ging es mir am Sonntag, auf dem Weg zurück in die Klinik, schon ziemlich mies.

Seit Montag hatte ich dann nicht nur Halsweh und Schnupfen, sondern auch Fieber. Also habe ich von Montag bis Freitag nur die Untersuchungs- und Therapietermine wahrgenommen. Das komplette Sportprogramm konnte ich vergessen, nicht mal zum Essen bin ich regelmässig gegangen. Viel Schlaf ist immer noch die beste Medizin. Statt den verpassten Frühstücken und Abendbroten habe ich mich beim Edeka nebenan mit Multivitamintee und Orangen-Direktsaft eingedeckt. Obwohl der nur 50 Meter weg ist, habe ich jedesmal gekeucht wie eine Dampflok, wenn ich endlich wieder im Zimmer war. Dabei hatte ich vor der Grippe das Gefühl, das Sportprogramm zeigt endlich auch in Richtung Fitness Wirkung. Alles wieder hinüber!

Davon abgesehen ist es mir diese Woche richtig gut gegangen. Alle haben mich verwöhnt: Die Nachtschwester hat mir jeden Abend den Rücken mit Pinimentholsalbe eingecremt wie eine ganz liebe Mama. Das fand ich echt nett.

Von Transline kam am Dienstag ein Riesenpaket mit einem tollen  Blumenstrauß und Genesungswünschen an. Darum bin ich auf dem Weg von der Rezeption zu meinem Zimmer ganz schön beneidet worden. Ständig wurde ich gefragt, ob ich heute Geburtstag habe oder ob mein Mann so romantisch ist und mir Pakete über Blume2000 schickt. Tja... weder noch!

Blumen von Transline

Am Mittwoch kamen Dana, Harry, Kerstin und Mufti zu einem Überraschungsbesuch. Obwohl ich zuerst nicht so begeistert war (weil krank), war es ein richtig schöner Tag. Nach der Zimmerbesichtigung sind wir gemeinsam einen Kaffee trinken gegangen. Dann sind die vier zum Titisee gelaufen. In der Zwischenzeit habe ich mir Paracetamol eingeschmissen und eine Stunde Mittagschlaf gehalten. Als sie am See angekommen waren, riefen sie mich an und ich bin mit dem Auto nachgekommen. Wir sind noch ein wenig durch Kitschläden gebummelt und dann gemeinsam Essen gegangen.

Am Freitag gab es dann die nächste Überraschung. Ich durfte mir schon wieder ein Paket an der Rezeption abholen. Diesmal waren es keine Blumen, sondern Eierlikör. Marion hat selbst welchen gemacht, und mir eine Flasche voll geschickt. Lustigerweise hat sie vergessen meinen Namen draufzuschreiben, so dass die Chefsekretärin das Paket geöffnet hat. Zum Glück lag eine Karte bei, die mit "Hallo Sonja" begann. Also hat die Rezeption alle Sonjas in der Klinik durchtelefoniert, und gefragt wer die Absenderin kennt. Keine Ahnung, was die Leute vom Klinikpersonal darüber denken, dass mir flaschenweise Eierlikör in die Klinik geliefert wird. Jedenfalls habe ich mit Inge, meiner Schwimmfreundin abends gleich einen Abschiedsumtrunk in meinem Zimmer veranstaltet. Leider ist Inge heute früh auch abgefahren. :(

Inge und ich bei der Eierlikörparty

Seit gestern abend geht es mir endlich auch ein wenig besser. Die viele Medizin (oder doch der Eierlikör???) scheint anzuschlagen und ich hoffe ich kann heute endlich wieder etwas unternehmen. Dann habe ich sicher auch wieder mehr zu berichten. Bis bald!


Dienstag, 2. Oktober 2012

Hochzeitsfest

Was kann man im Idealfall von einer Hochzeitsfeier erwarten? Ein attraktives, verliebtes und gut gelauntes Brautpaar, umwerfend leckeres Essen, abwechslungsreiche Musik in einer schönen Location und nette Gäste in Feierlaune.

All das habe ich erwartet, und all meine Erwartungen haben sich mehr als erfüllt. Ich muss gar nicht viel dazu schreiben. Die Hochzeitsfeier von Kerstin und Mufti war rundum gelungen. Euch beiden nochmals vielen Dank für dieses schöne Fest. Ich bin sehr froh, dass ich dabei sein konnte. Hier ein paar Schnappschüsse, die mehr sagen als alle Worte.

In der Kirche








Vor dem Traualtar

Fürbitten

Sehen die beiden nicht glücklich aus?

Dana der Farbklecks
Alle wollen mit der
hübschen Braut aufs Bild


Tischdeko mit Herz



Ein erstklassiges Menü

Klein-Nathalie :)                                                         Daniel und Markus



edelrahm(en)




perückend...







Partystimmung



Wer hat hier das Sagen?

Am frühen Morgen

die beiden strahlen immer noch


Dancing Queens
mit Nachwuchs

Was kann noch aussagekräftiger sein, als diese Bilder? Höchstens ein kleiner Videoschnipsel. Die Braut hat übrigens stundenlang die Tanzfläche nicht verlassen. Respekt, Kerstin!  Mehr Videos -auch die lustigen zu später Stunde- gibts direkt bei mir. Lassen sich hier leider nicht hochladen. Bis bald :)

 
Johnny und Nathalie