Freitag, 28. September 2012

Meditation und mehr

Die letzten beiden Tage waren ziemlich ruhig. Da alle Patienten hier nach einigen Wochen wieder in einen mehr oder weniger stressigen Alltag entlassen werden, sollen wir auch lernen uns auf uns selbst zu besinnen und aus uns selbst Ruhe und Kraft zu schöpfen.

Klingt schwierig? Ist es auch. Zumindest für mich, da ich bekanntermaßen skeptisch bin, wenn mir etwas zu esoterisch erscheint. Das autogene Training finde ich ganz gut. Es ist entspannend, ohne abgedreht zu wirken. Die Klangschalenmeditation gestern war auch sehr entspannend und eine ganz neue und positive Erfahrung für mich. Die Vibrationen in den unterschiedlichen Tonlagen haben auch irgendetwas gemacht - mich hat es beispielsweise sehr im Bauch gekitzelt, wenn die Schalen nah bei mir waren und manche Muskeln haben seltsam gezuckt.

Etwas komisch kam es mir erst hinterher vor, als einige Teilnehmer meinten sie haben gespürt wie ihre Lymphe durch den Körper fließt, oder wie speziell die erkrankten Gliedmaßen intensivst angefangen haben zu kribbeln. Kann man den Lymphfluss überhaupt spüren? Ich habe mich gefragt, ob bei manchen nicht einfach ein Arm oder Bein eingeschlafen ist, weil wir bandagiert auf den Matten rumlagen. Da schläft mir sogar im Sport dauernd was ein und kribbelt.

Ganz suspekt war mir, was die Patientin, die die Klangschalenmeditation veranstaltet hat, hinterher noch erzählt hat. Zum Beispiel, dass die Schalen in jeder Hand anders klingen und man sich eine aussuchen soll, deren Ton für einen selbst gut klingt. Außerdem sind die Schalen laut ihren Angaben auch dazu geeignet, sie direkt auf erkrankte Körperteile aufzulegen und anzuschlagen. Also bei Bauchweh zum Beispiel auf den Bauch, dann draufkloppen und das Bauchweh geht weg.

Funktioniert so etwas wirklich? Wenn ja, bei welcher Art von Bauchweh? Es gibt ja Hunderte von Ursachen. Ich kann mir das nicht richtig vorstellen aber die Wirkung natürlich auch nicht ausschließen. Vielleicht bin ich für diese alternativen Geschichten nicht offen genug. Interessant war es trotzdem, so etwas einmal mitgemacht zu haben. Ich habe aber beschlossen keine 150,- Euro oder mehr für eine solche Schale auszugeben.


Stattdessen habe ich heute abend noch einmal 17,-€ Eintritt investiert, um mich ein paar Stunden in den Whirlpools des Badeparadieses suhlen zu können. Das war auch sehr entspannend! Im Dunkeln wirkt das ganze durch die sehr stimmungsvolle Beleuchtung und viele brennenden Fackeln noch viel intensiver.

Ab morgen ist es dann vorbei mit der Entspannung, glaube ich. Ich muss um 5:30 Uhr aufstehen und einige Stunden in Bussen und Zügen verbringen, wenn ich rechtzeitig zur Hochzeit von Kerstin und Mufti kommen möchte. Den Bericht und die Bilder dazu gibt es dann voraussichtlich am Montagabend.

Ich wünsche euch ein entspanntes Wochenende!




Donnerstag, 27. September 2012

Pause

Es geht mir gut. Wirklich!
Ich habe in den letzten beiden Tagen nur deshalb nichts geschrieben, weil ich nichts Besonderes zu erzählen hatte. Die Tage sind nach wie vor vollgepackt, aber es wiederholt sich eben alles.

Ich gebe zu, wenn ich selbst diesen Blog überfliege, frage ich mich, ob ich noch richtig ticke oder ob sich da vielleicht eine Borderline-Störung abzeichnet. Vielleicht sind es auch manische und depressive Phasen? Dieses ganzen Stimmungsschwankungen wirken schon ein wenig bedenklich. Da ich aber von vielen anderen Patienten gehört habe, dass es ihnen genauso geht, mache ich mir noch keine ernsthaften Sorgen um meinen Zustand.

Falls es doch Grund zur Sorge gibt, wird das meine Psychologin hoffentlich merken. Ich habe heute Nachmittag nämlich einen ersten Termin mit einer der beiden Hauspsychologinnen. Bin sehr gespannt, was da auf mich zukommt und werde versuchen mich wie ein zurechnungsfähiger Mensch zu benehmen.

Was das Sportprogramm angeht, habe ich mir für heute eine kleine Pause verschrieben. Ich bin in den letzten Tagen so ausgepowert gewesen und vermute ich sollte meinen armen Knochen und Muskeln einfach mal einen Tag Ruhe gönnen. Da ich heute außer dem Termin bei der Psychologin auch noch einen Termin bei der Ernährungsberatung und einen Therapietermin zur Lymphdrainage habe, hätte ich ohnehin nicht viel Zeit für die Kurse gehabt.

Morgen fährt meine Tischnachbarin Marion nach Hause. :-(   :-(   :-(
Damit wird der Spaßfaktor für mich deutlich sinken. Dann wird es sicher auch niemanden mehr geben, der meinen Frühstücksteller heimlich mit eingeschmuggeltem Obst dekoriert.

Überraschung am Morgen


Heute abend essen wir gemeinsam zum Abschied einmal nicht hier in der Klinik zu Abend, sondern gehen zum Italiener. Wir wollen endlich einmal einen anderen Salat essen als den, den es hier täglich gibt. Danach wollen wir zur Klangschalenmeditation gehen. Eine Patientin macht das und hat uns beide dazu eingeladen. Ich kann mir nicht wirklich etwas darunter vorstellen, bin aber schon sehr gespannt.


Vorgestern war ich zum zweiten Mal beim Autogenen Training. Wenn die Trainerin uns anleitet und alles mit ihrer sonoren Stimme vorspricht, klappt das bei mir auf Anhieb. Wenn ich abends im Bett liege und schlecht einschlafen kann, bekomme ich diese Entspannung nicht hin. Aber ich habe ja noch ein paar Stunden Zeit um zu üben.

Heute morgen habe ich schon die Nachricht bekommen, dass die Verlängerung meiner Reha von drei auf fünf Wochen nun auch von der Rentenversicherung genehmigt wurde. Geplanter Entlassungstermin ist jetzt der 16. Oktober.Ich muss also schon noch ein Weilchen durchhalten. Vorerst freue ich mich aber einfach nur auf den "Heimaturlaub" am Samstag. Danach sieht man weiter. Bis bald.




Montag, 24. September 2012

Durchhänger

Ich weiß nicht woran es liegt. Vielleicht am Wechsel zu Regenwetter, daran dass heute mein 14. Tag in der Klinik ist oder auch nur daran dass der Tag gestern so schön war - heute nervt mich jedenfalls alles extrem an!

Ich will nicht jeden Tag in dieselben bescheuerten Gymnastikstunden gehen, dieselben Anweisungen von denselben Trainern hören und dieselben (leider immer noch schweißtreibenden) Übungen absolvieren. Es kotzt mich an, von früh bis spät trotz ständigem Waschen und Umziehen in verschwitzten Klamotten festzustecken. Ich hasse es, jeden Abend denselben, beschissenen, übersäuerten Salat in der Salatbar zu finden und täglich draußen im Niemandsland rumzulaufen hängt mir auch zu den Ohren hinaus. Genauso wie das Training auf Laufband, Ergometer und Crosstrainer.

Man hat mir heute gesagt, dass meine schlechte Laune ein üblicher 2-Wochen-Durchhänger ist. Keine Ahnung was das sein soll. Klinikkoller, nannte es jemand. Dummerweise sieht nämlich auch hier jeder, wenn es mir mal nicht so dolle geht. Wäre ja auch komisch, wenn ich hier meine Emotionen plötzlich besser kontrollieren könnte als anderswo. Also schießen mir praktisch grundlos Tränen in die Augen und ich lasse mir von freundlichen Leuten Tempotaschentücher reichen und höre mir zum Dank dafür mindestens 10 Minuten ihre hohlen Sprüche an ohne loszuschreien oder zu flüchten. Dabei möchte ich am liebsten nur in meinem Bett liegen, mir die Decke über den Kopf ziehen und meine Ruhe haben.

Der Gedanke, der mir heute am häufigsten durch den Kopf gespukt ist, war: "Hilfe - ich habe noch nicht einmal die Hälfte der Zeit herumgebracht."

Der Durchhänger

Vielleicht fehlt es mir aber auch einfach an Einsicht und Dankbarkeit dafür, dass es mir nach den Behandlungen in den vergangenen beiden Wochen schon deutlich besser geht als vor Beginn der Reha. Also hoffe ich, ich finde in den nächsten Tagen den Spaß an der verordneten Bewegung und die Gleichgültigkeit dem Essen gegenüber wieder.

Falls nicht, fang ich eben an zu saufen.
Prosit!

Paradiesische Zustände

Ob ich heute Besuch von irgendwem bekomme, stand ziemlich lange in den Sternen. Zuerst wollten Dana, Harry, Markus und die Kinder kommen. Gemeinsam wollten wir zum Titisee und dort etwas spazieren gehen. Gestern war Muftis Junggesellenabschied und ich hatte starke Zweifel am Auftauchen der beiden Männer. Den Vorsatz mich zu besuchen wollte ich vor allem Markus gar nicht absprechen - aber ob sich das dann wirklich realisieren lässt???

Als ich gestern auch noch erfahren habe, dass Dana ein wenig kränkelt hat sich die Anzahl der potentiellen Besucher und die Besuchswahrscheinlichkeit deutlich reduziert. Ein "Plan B" musste her, wenn ich nicht den ganzen Sonnag alleine im Zimmer verbringen wollte. Dieser sah vor gemeinsam mit Inge, der Patientin die gestern mit Marion und mir im Kino war, ins Badeparadies nach Titisee-Neustadt zu fahren. Wir sind heute beide abbandagiert und Schwimmen ist schließlich auch gesund.

Tatsächlich litt ich seit Tagen unter akutem Schwimmbadentzug. Keine Ahnung woher das genau kam, aber es verging in der letzten Woche kein Tag ohne den Gedanken wie schön es doch wäre jetzt schwimmen zu gehen.

Markus hat (verständlicherweise) lange geschlafen und dann (unverständlicherweise) lange überlegt ob er noch kommen soll. Zugegeben, es lag wohl auch an den Kids, die zwar unbedingt zu mir wollten, aber mit den Hausaufgaben noch nicht fertig waren. Jedenfalls wartete Inge beim Mittagessen auf meine Entscheidung, ob ich mitkomme und ich wartete auf Markus Entscheidung ob er hierher fährt. Natürlich kam es wie es kommen musste: Gerade als ich Inge zugesagt hatte und 10 Minuten bevor wir uns auf dem Parkplatz treffen wollten, rief Markus an und teilte mir mit dass er mit den Kids "wenigstens kurz" vorbeikommen wird.

Also habe ich meinen Plan A "Ich bekomme Besuch von Markus und den Kindern" und meinen Plan B "Ich fahre mit Inge ins Badeparadies" kurzerhand zu einem genialen Plan C "Ich fahre mit Inge ins Badeparadies und bekomme dort Besuch von Markus und den Kindern" umgebaut.

Das hat dann wirklich gut geklappt. Die ersten zwei Stunden bin ich mit Inge in der Palmenoase rumgelümmelt, dann habe ich im Kinderbereich Galaxy auf Markus, Daniel und Nathalie gewartet. Als die drei kamen, haben sich die Kinder natürlich auf die irrsinnig vielen Rutschen gestürzt und waren verschwunden.




Markus und ich haben uns in Whirlpools drinnen und draußen, in Solen und im Toten-Meer-Wasser geaalt und haben an der Poolbar im Wasser einen sehr leckeren Cocktail geschlürft. Wirklich paradiesisch :-D  :-D  :-D




Leider kamen Markus und die Kinder so spät, dass sie nicht sehr lange dort bleiben konnten. Wir haben beschlossen, vor Ende meines Aufenthalts noch einmal gemeinsam dort hinzugehen. Nach dem Baden haben wir bei einem Chinesen in Neustadt zu Abend gegessen. Nach fast zwei Wochen einmal satt zu sein ist auch ein paradiesischer Zustand. Dafür habe ich extra auf mein halbes Mittagessen und das Eis, das es Sonntags als Nachtisch gibt, verzichtet.

Nach dem Essen hat Markus mich in die Klinik gebracht. Die Kinder haben ja morgen Schule und sind deshalb gar nicht mehr ausgestiegen. Mein lieber Mann hat mir nicht nur geholfen alles auf mein Zimmer zu tragen, sondern hat die Gelegenheit auch gleich genutzt um in meinem Zimmer eine kleine Überraschung zu verstecken. Da die Überraschung nicht soooo klein ist, sondern eigentlich ein ziemlich dicker Wälzer namens "Winter der Welt", habe ich sie ziemlich bald nach seiner Abfahrt gefunden. Vielen Dank!

Jetzt muß ich nur noch irgendwann Zeit zum Lesen finden. Das ist mir hier bisher erstaunlich schwer gefallen. Also... Schluss für heute. Gute Nacht.





Samstag, 22. September 2012

Schwäbisch

Als ich heute morgen aufgewacht bin und aus dem Fenster geschaut habe, schüttete es wie aus Eimern. Vorbei war es mit dem schönen Spätsommerwetter, das mich die letzten beiden Tage nach draußen gezogen hat.

Nach dem Frühstück habe ich das Samstag-Vormittag-Programm durchgezogen. Unter anderem gehörte eine halbe Stunde Aerobic dazu, nach der ich vor lauter Erschöpfung beinahe gereihert hätte.

Dann ging es zu einem heute leider mehr als dürftigen Mittagessen. Es gab irgendeine dünnflüssige Kohlsuppe in der 5 Klümpchen Kartoffeln und 7,3 Gramm Rindfleisch rumgeschwommen sind. Zum ersten Mal seit ich hier bin, bin ich hungriger vom Tisch aufgestanden als ich mich hingesetzt habe.

Trotzdem sind wir Nachmittags, als es aufgehört hatte zu regnen, noch etwas Laufen gegangen. Zwischendurch haben wir im Kurhaus von Hinterzarten halt gemacht. Noch nie haben mich die Kuchen und Torten dort (vor allem die Schwarzwälder) so sehr angemacht wie heute. Aber ich war brav und habe nur eine Flasche Mineralwasser getrunken.

Nach dem Abendessen sind Marion und ich mit einer weiteren Patientin nach Titisee-Neustadt ins Kino gefahren. Das Kino an sich war schon sehenswert, weil es so ein altes Samt-Plüsch-Teil war. Der Film war ein echter Brüller. Wir haben uns eineinhalb Stunden schlappgelacht. Bitte schaut euch den an, falls er bei euch noch läuft und ihr Schwäbisch versteht.

Hier der Trailer - Die Kirche bleibt im Dorf

Ich gehe schlafen. Gute Nacht!

Freitag, 21. September 2012

Alles wird gut!

Es hat zwar jetzt fast zwei Wochen gedauert, aber inzwischen habe ich mich hier ganz gut eingelebt. Ich habe losen Kontakt zu verschiedenen, ganz netten Leuten mit denen man immer mal was unternehmen kann und finde mich insgesamt schon viel besser zurecht.

Heute Vormittag war ich zuerst im Untersuchungs-und Therapiestress, danach habe ich mein Fitnessprogramm durchgezogen. Heute habe ich insgesamt eine halbe Stunde Ausdauertraining an den Geräten gemacht. Angefangen habe ich vor einer Woche mit 15 Minuten.
Ein paar von euch haben mich schon gefragt, ob hier alle so viel Sport treiben müssen, oder ob sich das die Ärzte für mich ausgedacht haben. Das Sportprogramm ist hier tatsächlich fester Bestandteil der Therapie und bringt den Lymphfluss in Gang. Von außen wirkt die Kompression, von innen die Muskeln und zusammen sollen die die Lymphe aus dem Gewebe pressen und abtransportieren. So habe ich das zumindest verstanden. Hat also nix mit meinen persönlichen Defiziten in diesem Bereich zu tun :-p

Das Mittagessen heute war das Leckerste, was ich hier gegessen habe. Zuerst gab es eine Gemüsecremesuppe, dann einen Fisch, (weiß leider nicht mehr welchen) der total lecker mit ganz vielen Kräutern abgeschmeckt war, dazu Wildreis und eine leckere Sauce. Zum Nachtisch hat jeder eine Nektarine bekommen.

Heute Nachmittag war ich mit Marion, meiner Tischnachbarin beim Autogenen Training. Das war meine erste Stunde, aber es werden noch einige folgen. Hat bei mir jedenfalls voll eingeschlagen und war soooo entspannend! Danach sind wir wieder rausgegangen, wandern. Heute ohne Stöcke, ich war noch etwas angeschlagen von der Tour gestern. Marion hat mir eine neue Strecke am Waldrand entlang gezeigt, die hat mir sehr gut gefallen. Unter anderem sind wir an den riesigen Skisprungschanzen vorbei gekommen, an denen letztes Wochenende der Sommer Grand Prix stattgefunden hat.

  

Kurz darauf kamen wir noch an einem Gehege mit Rehen und einem süßen Kitz vorbei. Die waren auch sehr niedlich. Überhaupt ist es hier in Hinterzarten echt hübsch. Könnt mich also gerne alle mal besuchen kommen!





Die Beste Nachricht dieses Tages ist aber die folgende: Ich darf nächstes Wochenende hier raus um auf Muftis und Kerstins Hochzeit zu gehen! Also, ein großes Hurra, ich freue mich schon tierisch!!!! Das hätte ich nicht verpassen wollen :)

Mache jetzt noch Zimmerparty bei mir. Bis morgen :D

Donnerstag, 20. September 2012

Fortschritte

Heute war ein sehr schöner Tag. So langsam bekomme ich ein wenig Kontakt zu anderen Patientinnen. Eine, die ich von Anfang an schon sehr sympathisch fand, sollte heute eine neue Tischnachbarin bekommen. Da meine beiden Herren morgen abreisen, habe ich vorgeschlagen mich an ihren Tisch versetzen zu lassen. Das hat zwar für kurzfristige Verwirrung in der Küche gesorgt, aber es hat geklappt. Jetzt habe ich nicht nur einen schöneren Platz im Speisesaal, sondern endlich eine sehr nette Tischgesellschaft, die ganz gut zu mir passt und die gleichen Programme durchzieht.

Heute Nachmittag haben wir das Sport- und Fitnessprogramm in der Halle kurzfristig durch einen Nordic-Walking-Nachmittag ersetzt und uns blendend dabei unterhalten. Das Wetter war so schön, die Sonne schien, der Himmel war blau, wir hatten über 20°C. Das kommt hier sicher nicht mehr so oft vor, da es Abends schon recht kühl ist und bei Nacht sogar schon Frost gab. Wir sind insgesamt 6 km gelaufen, teilweise auch ganz schön auf und ab. Zumindest für meine Verhältnisse.

Oben
Das für den Abend geplante Fitnesstraining schaffe ich jetzt wohl nicht mehr - meine Beine fühlen sich an, als hätte mir die Mafia Betonschuhe verpasst!

Ich hoffe die Nachtschwester kommt gleich, ich habe in meinem Terminplan für morgen leider einige Ungereimtheiten (sprich: Terminüberschneidungen). Das muss ich noch klären.

Danach möchte ich gerne endlich einmal wieder mit meiner Familie quatschen - freiwillig melden die sich nicht bei mir. :(  :(   :(

Mein Tag wird um 22:30 Uhr mit der Einnahme einer mysteriösen Tablettenhälfte enden. Angeblich enthält sie irgendwelche Hormone, die mein Körper über Nacht abbauen sollte. Um zu sehen, inwieweit das gelungen ist, wird mir morgen früh noch einmal Blut abgenommen. Ich bin gespannt!

Wünsche euch allen einen schönen Abend.
Bis morgen!

Mittwoch, 19. September 2012

Terminpläne

Ihr wundert euch sicher, dass ich heute so spät dran bin mit Schreiben. Das liegt ganz einfach am Rehastress. Im Vergleich zu den Terminplänen von heute und morgen war die letzte Woche noch das reinste Zuckerschlecken.

Die Ärzte reißen sich um mich, und wollen alle mit mir reden. Mein Sportprogramm und die eigentlichen Therapiestunden dürfen natürlich auch nicht vernachlässigt werden. Heute bin ich erst nach dem Abendessen zum Fitnesstraining gekommen, und ab 20:00 Uhr habe ich Wäsche gewaschen - es ist unglaublich, was hier in einer starken Woche schon alles zusammengekommen ist!

Mein Terminplan morgen sieht folgendermaßen aus:

05:00 Uhr: Aufstehen, Beine auspacken, anziehen     
06:00 Uhr: Melden im Schwesternzimmer, Blutdruck und Gewichtskontrolle
danach:      ca. 1 - 1,5 Stunden Kompressionsmaterial wickeln
07:50 Uhr: nüchtern (also vorher auch nix trinken!) zur Blutentnahme ins Labor
08:00 Uhr: Frühstücken
08:30 Uhr: Bewegungsprogramm, Sanfte Haltungsschulung (bis 09:15 Uhr)
09:15 Uhr: Bewegungsprogramm, Wirbelsäulengymnastik (bis 09:45 Uhr)
danach:      schnell aus Zimmer, waschen, umziehen, im                                                       Schwesternzimmer Sozialanamnesefragebogen holen
10:30 Uhr: Lymphdrainage und Wickeln (die Beine, nicht was ihr meint!), Dauer 1 Stunde
11:30 Uhr: Sozialberatung da geht es um berufliche Weiterentwicklung und Rehabilitation, soll circa. 1,5 Stunden dauern
12:30 Uhr: Mittagessen
13:30 Uhr: Entstauende Beingymnastik (bis 14:00 Uhr)
14:00 Uhr: Tanz (bis 14:30 Uhr)
14:30 Uhr: Step Aerobic (bis 15:00 Uhr)
15:00 Uhr: Entspannung (bis 15:30 Uhr)
15:30 Uhr: Walking (bis 16:30 Uhr)
16:30 Uhr: PAUSE (bis 17:30 Uhr)
17:30 Uhr: Abendessen
irgendwann danach: Gerätetraining

Krasse Sache, oder? Jedesmal, wenn ich ins Zimmer zurückkomme liegen irgendwelche neuen Termine für mich auf meinem Schreibtisch. Ich brauche bald eine Assistentin um hier den Überblick zu behalten. Am besten eine so unersetzliche wie Claudia!



Naja, da ich morgen wieder so früh raus muss und ein volles Programm habe, hole ich jetzt noch meine Wäsche aus dem Trockner und gehe dann schlafen.

GÄHN!!!

Bis morgen abend :)





Dienstag, 18. September 2012

Schlafende Wölfe

Der Tag heute war bis vor einer halben Stunde relativ unspektakulär. Ich war morgens in Therapie und beim Sportprogramm, am Nachmittag hatte ich zwei Arztgespräche und habe ein wenig telefoniert.

Das einzig Besondere (phänomenale, spektakuläre, unglaublich tolle) an diesem Tag ist eine Nachricht aus dem Labor: Mein Wolf (lat. lupus) ist wohl eingeschlafen. Zumindest konnte man im Blut keine aktiven Antikörper mehr nachweisen. Jetzt übe ich Jubeltänze in meinem Zimmer!!!

Systemischer Lupus Erythematodes, schlafend (in Remission)


Zur Sicherheit wird der Test am Donnerstag noch einmal wiederholt, aber ich glaube das stimmt! Habe schon zwei Wochen vor Beginn der Reha zu Markus gesagt, dass sich bei mir was ändert und ich mich in einigen Punkten deutlich besser fühle.

Da man schlafende Wölfe ja bekanntlich nicht wecken soll, muss ich jetzt besonders gut auf mich aufpassen und diese -hoffentlich seeeehr lange- Ruhepause nutzen um wieder fit zu werden. Eine kritische Schwelle gibt es noch: Ab morgen fangen wir an die Cortisonpräparate auszuschleichen. Das wird einige Wochen dauern, da ich ja immer noch eine ganze Menge abbauen muss. Wenn das erledigt ist, und es keine neuen Probleme gibt, stehen die Chancen gut dass es eine lange Remissionsphase gibt.

Also meine Lieben, hebt ein Gläschen für mich und drückt mir die Daumen!
Ich gehe solange weitertanzen ;-)
Bis morgen!



Montag, 17. September 2012

Einsamkeit

Heute ist ein blöder Tag! Ich habe schlecht geschlafen, und seit heute morgen bin ich die ganze Zeit alleine. Meine Therapeutin, mit der man sich normalerweise sehr gut unterhalten kann, war platt vom Wochenenddienst. Frühstücken war ich heute später, da ich ja vorher Therapie hatte. Meine beiden Tischherren waren schon weg als ich kam, also habe ich alleine gefrühstückt. In den Sportgruppen heute Vormittag gab es lauter neue Gesichter. Vor dem Mittagessen habe ich noch mein tägliches Gerätetraining durchgezogen. Beim Mittagessen war ich wieder alleine am Tisch. Ab da habe ich mir schon ziemlich verzweifelt irgendjemanden gewünscht, mit dem ich wenigstens ein paar Sätze wechseln kann.

Heute nachmittag in der Tanzgruppe habe ich dann endlich eine "Bekannte" von der gestrigen Wanderung gesehen - doch vor Ende der Stunde musste ich schon abbrechen, weil meine Blasen an den Fersen aufgegangen sind. Also bin ich in mein Zimmer gegangen und musste abwickeln. Deshalb gab es heute auch kein Abendwalking für mich. Beim Abendessen saß ich wieder alleine an meinem Tisch, da meine Tischnachbarn heute Abend Abschied von einem "Rehakumpel" feiern, der morgen entlassen wird - mit richtigem Essen auf seinem Zimmer.

Irgendwie hat hier schon jeder einen "Kumpel" oder irgendwelche "Freundinnen", nur ich bekomme das nicht auf die Reihe. Meistens sitzen abends, nach dem Essen, noch haufenweise Leute draußen rum - nach diesem kommunikationslosen Tag habe ich mir fest vorgenommen mich einfach dazu zu setzen und zu versuchen mit jemandem ins Gespräch zu kommen. Aber heute ist trotz schönstem Wetter weit und breit niemand in Sicht. Habe mich sogar selbst einfach rausgesetzt und gehofft, es kommt noch jemand dazu. Kam aber niemand. Nach einer Stunde kam ich mir blöd vor und bin auf mein Zimmer gegangen. Warum bin ich so ein Außenseiter??? Und warum seid ihr alle so weit weg???

Es kann nur besser werden...! Drückt mir die Daumen.

Liebe Grüße,

Eure einsame Sonja



Sonntag, 16. September 2012

Wandern

Heute morgen habe ich das Frühstück sausen lassen, weil ich wenigstens an diesem Sonntag auf den morgendlichen Weckerstreß verzichten wollte. Ich bin, seit ich hier bin, noch keinen Tag später als um 06:00 Uhr aufgestanden. Aber so ist eben die deutsche Form der Erholung.

Ich habe mein Zimmer etwas aufgeräumt, Wäsche sortiert und bin erst zum Mittagessen runter in den Speisesaal gegangen. Das Wetter war traumhaft: Sonnenschein, 24°C. Ich hatte vor, mich am Nachmittag in der Umgebung der Klinik umzusehen und ein wenig spazierenzugehen. Die beiden Herren an meinem Tisch wollten wieder einmal zum Titisee wandern. Sie kennen da eine ganz besonders schöne Strecke - es geht zwar viel auf und ab und sie ist auch 15 km lang, aber landschaftlich wirklich unschlagbar. Ich habe dankend abgewunken, mehr als 2 oder 3 Kilometer sind bei mir derzeit nicht drin - noch dazu mit Bandagen!

Aber alleine wandern ist echt doof. Ich weiß schon wie das bei mir endet: Ich nehme mir ein Buch mit, habe nach ein paar hundert Metern keine Lust mehr zu laufen und sitze irgendwo rum bis es kalt oder spät ist. Auf dem Heimweg bin ich dann frustriert, weil ich nicht weiter gekommen bin. Oder ich verlaufe mich, und dann muss ich irgendwo anrufen und mich retten lassen.

Gestern nach dem Training habe ich (auf der Suche nach Verbündeten ;-)) ein paar Worte mit einer Mitpatientin gewechselt. Sie hat mir gesagt, dass dies ihr erstes Wochenende ohne Besuch sein wird. Also habe ich mir ein Herz gefasst und bin nach dem Essen an Ihren Tisch gegangen und habe sie gefragt was sie heute Nachmittag vor hat. Sie sagte, sie will mit der, der und der (3 Patientinnen an ihrem Tisch) eine Wanderung durchs Moor und dann zum Titisee machen. Ich soll doch unbedingt mitkommen. Als ich das gehört habe, wollte ich mich noch drücken - aber das hat nicht mehr geklappt. Ich habe zwar gesagt, dass ich das vermutlich nicht schaffe, aber das wollte niemand gelten lassen. Sie laufen alle langsam wegen der Bandagen, sie fahren mit dem Zug zurück, und wenn ich unterwegs gar nicht mehr kann oder will, kann ich ja immer noch abbrechen. Also bin ich halt mitgegangen.

Es war schon anspruchsvoll für mich. Aber als ich nach einer knappen halben Stunde dachte, ich pack das nicht mehr kamen wir an einen kleinen Weiher und unsere Anführerin, die alle Stecken rund um die Klinik auswendig kennt, hat vorgeschlagen eine kleine Rast zu machen.

Der Rastweiher

Drei meiner vier Mitstreiterinnen
Siehe da, nach ein paar Minuten Pause im Schatten und einem Schluck Wasser konnte ich doch noch weiter mitlaufen. 

Als ich zum zweiten Mal kurz vor dem Aufgeben war (natürlich mitten an einer langen, sonnigen Steigung), war plötzlich ein Ende des Hügels in Sicht und und unsere Anführerin meinte, danach wird das Laufen gleich angenehmer weil es dann wieder durch den Wald geht. Es war tatsächlich so - kurz darauf wurde der Weg eben und schattig, und wir haben an Miniaturschwarzwaldhäusern kurz Rast gemacht.

Die Männchen da drin bewegen sich - angetrieben von einem kleinen Wasserlauf

Also bin ich weitermarschiert. Ich habe es tatsächlich geschafft, bis zum Titisee zu laufen. Als wir uns dort auf einer schönen Hotelterasse mit wunderbarem Seeblick niedergelassen hatten, waren es exakt 5 km, die wir gelaufen waren.

Der Titisee - ein schönes Ziel!


Nach einer ausgiebigen Pause auf der Hotelterasse und einer Flasche kühlem Sprudel sind wir später noch ein Stück am Titisee entlanggelaufen, dann zum Bahnhof und in Hinterzarten wieder vom Bahnhof zur Földiklinik. Insgesamt: 7 km Wegstrecke! Ich hätte niemals gedacht, dass ich so lange durchhalten kann.

Wir kamen hier pünktlich zum Abendessen an. Ich war zwar total am Ende, aber es war ein echt schöner Sonntagnachmittag. Heute Abend mache ich nichts anderes mehr, als die Beine hochlegen und entweder fernsehen oder lesen. Morgen muss ich um 6:00 Uhr zu meinem ersten Termin, das heißt spätestens um 05:00 Uhr aufstehen.

Ich wünsche euch eine gute Nacht!

Samstag, 15. September 2012

Besuchstag

Seit gestern war ich schon total aufgeregt: Heute kommen Markus, Daniel und Nathalie mich besuchen. Da Markus gestern abend nicht mehr angerufen hat, und ich ein straffes Vormittagsprogramm habe, schrieb ich schon um 6:30 Uhr eine SMS, damit er weiß was er mir von Zuhause mitbringen soll. Um 9:30 Uhr hatte ich eine kurze Pause, die ich natürlich dazu genutzt habe Markus anzurufen - ich wollte unbedingt wissen, ob er die Nachricht noch rechtzeitig gelesen hat, wie weit sie schon gekommen sind und wann ich mit ihner Ankunft rechnen kann. Aber Markus lag noch im Bett. Als ich um 11:30 Uhr wieder angerufen habe, waren sie gerade am Aufbrechen. Von wegen, "wir können es kaum abwarten dich zu sehen." HA! Also habe ich das Samstags-Sportprogramm noch vollends durchgezogen und habe zu Mittag gegessen.

Kurz vor zwei kamen meine drei dann endlich hier an. Gemeinsam sind wir nach Freiburg gefahren und haben dort die Schuhläden unsicher gemacht. Ich brauchte unbedingt ein Paar feste Schuhe - die Crogs fallen mir zu oft von den Füßen und ich stolpere mich damit noch krankenhausreif! Da meine ohnehin nicht gerade zierlichen Füßchen durch Schaumstoff und Verbände nicht nur deutlich länger, sondern auch unverhältnismäßig breit geworden sind, war es nicht ganz leicht passende Exemplare zu finden. Letztlich hat es aber doch geklappt: Bei Deichmann gab es ein Paar extrabreite, wirklich unglaublich hässliche Herrenschuhe in Größe 46. Ich frage mich wirklich, ob es Menschen gibt, die so etwas freiwillig tragen. Also abgesehen von solch temporär beeinträchtigten wie mir. Warum produziert eine sonst derzeit ganz angesagte Marke (Victory) überhaupt solche Ekeltreter? Wollen sie sich den coolen Ruf, den sie unter den Kids haben absichtlich ruinieren? Wer das Foto gesehen hat und das erklären kann - ich bin echt gespannt!






Auch für die Kinder haben wir Schuhe gesucht. Nathalie hat zwei hübsche Paar gefunden, Daniel hat am intensivsten gesucht, aber leider erfolglos. Nach dem Schuhkauf, sind wir noch in eine Häagen-Dazs Eisdiele gegangen. Das war zwar eine Sünde, aber soooooo lecker!

Zurück in der Klinik habe ich mein Abendbrot gegessen und Markus wollte im Laden neben der Klinik Abendessen für sich und die Kinder kaufen. Der Laden hatte zu, und auf dem Weg zu meinem Zimmer fiel Daniel auf, dass er sein Handy nicht mehr hat. Nathalie sagte sie hätte es zuletzt auf einer Sitzbank bei der Schuhanprobe in Freiburg gesehen. Wir haben sofort im Laden angerufen und zum Glück lag das Handy noch dort. Aber der arme Markus musste nun noch einmal nach Freiburg fahren und das Handy abholen. :-(   :-(   :-(   :-(
So stinkig wie er deshalb war, muss Daniel sich das sicher die nächsten 15 Jahre anhören!

Da die Kinder immer noch hungrig waren, habe ich während Markus unterwegs war Pizza für alle drei bestellt. Die Pizza roch so lecker, dass ich bei den Kindern jeweils ein Stück probiert habe. So ein paar kleine Extras an einem Besuchstag kann ich durchaus vertreten. Trotzdem fand ich es unangenehm, dass die Nachtschwester kam als ich gerade mit den Kindern auf dem Bett lag und wir alle drei Pizza gemampft haben. Die erwischt auch immer die besten Momente!!!

Den Rest des Abends sind meine Gäste in meinem Zimmer rumgegammelt, haben Computer gespielt (Daniel) und ferngesehen (Markus, Daniel und Nathalie). Hatte ich mir zwar anders vorgestellt, aber allzuviel kann man hier auch nicht machen, und alle drei sind nach ihrer anstrengenden Woche ohne Mama (Hehe...!) total erholungsbedürftig. Arme Hascherl!

Daniel vermisst sein "Age of Empires" - das läuft nämlich nur auf dem Laptop, den ich dabei habe :(

Nathalie und Karamell, ihr Lieblingsteddy, den sie mir für die Dauer meines Aufenthalts geliehen hat

Ohne Worte!



Im Fernsehen läuft "Die Hexe und der Zauberer"
Der Film endete um 21:55 Uhr, die Besuchszeit um 22:00 Uhr. Genügend Zeit für ein paar Küsschen, aber nicht genug für große Abschiedstrauer. Das war mir ganz recht so. Ich hoffe die drei kommen jetzt gut heim. Ich werde noch ein wenig lesen und nacher über Skype "Gute Nacht" sagen.

Und wie war euer Samstag????

Freitag, 14. September 2012

Verbündete

11:30 Uhr 
Heute morgen bei der Therapie hat meine Physiotherapeutin gesagt, das Wichtigste bei einer Reha ist, dass der Patient sich Verbündete unter den anderen Patienten sucht. Leute, die die gleichen Ziele und Vorlieben haben, an den gleichen Programmen teilnehmen und sich gut verstehen. Die Patienten mit Verbündeten haben nicht nur mehr Spaß und brechen die Reha seltener ab, sondern nehmen auch noch die größeren Reha-Erfolge mit nach Hause.

Mir hat das sofort eingeleuchtet. Bisher kenne ich hier nur meine beiden Tischnachbarn, und die machen definitiv nicht die gleichen Dinge wie ich. Habe sie noch in keiner meiner Kurse gesehen, und beim abendlichen Walking sind sie in der 10-km-Gruppe. Ich leider nicht. :(

Mit den Leuten aus den Gruppen habe ich bisher nicht geredet. Könnte auch daran liegen, dass ich in den Gruppen die meiste Zeit völlig außer Atem bin. Wenn man im Haus jemanden trifft, grüßen zwar alle freundlich, aber mehr habe ich da bisher auch nicht zustande gebracht.

Also: Wo und wie finde ich Verbündete? Kann man den Leuten ansehen, wer zu einem passt? Oder muss ich jetzt zu 150 Patienten Kontakt aufnehmen und dann sortieren? Ich gehe gleich zum Mittagessen und schaue mich mal gezielt um.

13:00 Uhr
Also, ich habe eine Runde durch den Speisesaal gedreht und mich gezielt nach potentiellen Verbündeten umgeschaut. Ich konnte erstaunlich viele Leute auf Anhieb aussortieren. Meine Kriterien:

  1. Sprache: Im Eingangsbereich des Speisesaals sind einige Tische an denen nur Französisch oder Italienisch gesprochen wird => keine guten Verbündeten wegen Sprachbarriere.
  2. Geschlecht: Männer habe ich auch alle aussortiert => die sind einfach anders, ich merke es immer wieder bei meinem eigenen.
  3. Krankheitsbild: Alle ohne Beinverbände machen andere Kurse als ich und rennen mir beim Walken davon.
  4. Religion: Zwei Frauen wollten in der Tanzgruppe gerne erbaulichere, christliche Lieder laufen lassen und dazu einen Kreistanz machen. Zum Glück hat die Trainerin ihr eigenes Ding durchgezogen. Aber die beiden sind sicher keine guten Verbündeten für mich - ich will sie jetzt schon dauernd schubsen oder ihnen ein Bein stellen wenn sie mir über den Weg laufen.
  5. Figur: Die ganz schlanken sortier ich auch mal weg => gemeinsamer Sport mit denen wäre sicher frustrierend.
  6.  Alter: Alle unter 20 und über 50 gehören nicht zu meiner primären Verbündetenwunschgruppe.
  7. Intellekt: Ja, auch den habe ich bei manchen gesehen. Naja, eher den nicht vorhandenen - manchen Leuten scheint die Dummheit einfach aus den Augen. Wer's nicht glaubt: Achtet mal darauf!!! Es ist böse aber leider wahr!
Allzuviele sind nach dieser -zugegebenermassen politisch nicht ganz korrekten-  Vorauswahl gar nicht übrig geblieben. Mal sehen, vielleicht ergibt sich heute Nachmittag ja die Möglichkeit ins Gespräch zu kommen.

18:30 Uhr
Hmmm. Irgendwie bin ich froh, dass ich im normalen Leben euch schon gefunden habe.

Ich habe ein paar von den Potentiellen heute beim Sport angelächelt. Aber die schauen immer so böse. Oder sind so angestrengt? Keine Ahnung, ich habe jedenfalls niemanden angequatscht. Werde dan Abend also wieder hier auf dem Zimmer verbringen. Vielleicht klappte es ja morgen. Oder nächste Woche. Drückt mir die Daumen.

Sonja

Donnerstag, 13. September 2012

Mahlzeit!

Heute Morgen habe ich als erstes ganz gespannt meine Beine ausgepackt. Sie sind jetzt gestreift und ich glaube auch schon ein kleines bißchen weniger geschwollen. Das kann aber auch Einbildung sein. Um 06:40 Uhr hatte ich einen Labortermin. Danach bin ich, nichts Böses ahnend, zur Therapie gegangen. Meine Therapeutin hatte sich aber was Nettes für mich einfallen lassen - diesmal habe ich das Hardcore-Programm bekommen: Bin jetzt bis unter die Brust fixiert!!!

Damit mir mit den vielen Bandagen auch nicht zu kalt wird, bin ich zur Geräteeinweisung ins Fitnessstudio gegangen. Da die Zeiten mit den regelmäßigen Besuchen bei McFit bei mir ja noch nicht soooo lang her sind, ging die Einweisung schnell. Die Trainerin hat noch einen Pulsbereich und Trainingsziele mit mir abgestimmt, dann konnte ich schon loslegen.

Während ich auf dem Laufband so vor mich hingetrampelt bin, habe ich zwei distinguierten älteren Damen zugehört, die sich ganz furchtbar über irgendeine Frau am gleichen Tisch aufgeregt haben, die sich zu jedem Tee zwei Tütchen Zucker nimmt. Das hat sie wohl auch heute morgen gemacht, "obwohl sie genau gesehen hat, dass es die letzten beiden Zuckerportionen am Frühstücksbuffet waren!" Ich habe mich etwas darüber gewundert, dass sich die beiden Damen so ernsthaft und erbost über zwei Tütchen Zucker aufgeregt haben, habe aber vermutet dass da noch mehr dahintersteckt. Vielleicht schmatzt oder spuckt die Frau ja auch beim Essen, oder ist aus anderen Gründen eine unangenehme Tischgenossin.

Bis zum Mittagessen hatte ich die Begebenheit eigentlich schon vergessen. Sie viel mir wieder ein, als mich einer meiner Tischnachbarn gebeten hat, ich solle mir mal anschauen wie die am Nachbartisch die Nudeln aus der Suppe löffeln können. Er meinte das wäre nicht fair, denn wir hätten ja viel weniger Suppennudeln in unserer armseligen Brühe als die beiden Herren am Nachbartisch. Dabei haben die beiden doch auch den blauen Punkt auf dem Namensschild (=Diätkost). Unverschämtheit!

Soviel habe ich schon gemerkt: Wenn es ums Essen geht, versteht hier keiner Spaß. Das liegt sicher daran, dass mehr als die Hälfte der Patienten sich für Diätkost mit 1200 kcal. pro Tag entschieden haben. Da ich dazu gehöre kann ich bestätigen: Das ist nicht so viel, dass man gerne auf Teile davon verzichtet. Aber dass man dem Nachbarn fünf Nudeln mehr in der Suppe oder ein Tütchen Zucker nicht mehr gönnt, irritiert mich schon ein wenig. Vor allem, da es eigentlich jedem frei steht, die Vollkost-Variante zu wählen. Die will nur keiner, denn wenn man schon in einer Klinik ist, sollte man die günstige Gelegenheit zum Abspecken nutzen. Deshalb wird lieber den anderen das Essen vom Teller geschaut - vom anschauen und abzählen nimmt man ja glücklicherweise nicht zu.

Insgesamt ist es so, dass im doch eher langweiligen Klinikalltag die Mahlzeiten zu den Highlights des Tages gehören. Wer schon länger als eine Woche hier ist, so ist mein Eindruck,  beschäftigt sich schon ab Montag  ausgiebig damit, ob er am kommenden Sonntag lieber Menü 1, "Rinderfilet mit grünen Bohnen"  oder Menü 2, "Kaninchenfleisch mit Kartoffelknödeln und Rotkraut" essen möchte. Darüber wird dann auch mit Tischnachbarn gerne lange und ausgiebig diskutiert. Leider sind hinterher meist alle enttäuscht - egal was sie gewählt haben, das andere Gericht sieht leckerer oder sättigender aus. :-(

Mir schmeckt es bisher ganz gut, und ich bin auch selten hungrig. Aber zuhause hätte ich anders portioniert. Ich lade mir eher zwei Semmelknödel auf den Teller, hier gibt es zu Mittag zwei Scheiben, also einen halben Knödel. Ich werde mich die nächsten Wochen selbst beobachten - wenn ich anfange zu zählen, wieviele Himbeeren ich und wieviele andere zum Nachtisch bekommen, gebe ich euch Bescheid. Dann müsst ihr euer Essen verstecken, bevor ich nach Hause komme.

Bis dahin: Mahlzeit!

Mittwoch, 12. September 2012

Viel Schaumstoff und Sport

Heute morgen bin ich um 5:00 Uhr (!!!) aufgestanden, weil ich um 06:00 Uhr nüchtern im Labor zur Blutabnahme sein sollte - dachte ich zumindest! Als ich fertig geduscht und angezogen durchs Haus marschiert bin, habe ich auf meinem Laborzettel die Zimmernummer gesucht, und dabei auch entdeckt dass ich eine Stunde zu früh dran war. Ich vermute ich habe als ich den Labortermin für 07:00 Uhr bekam, daran gedacht, dass ich deshalb um 06:00 Uhr aufstehen muss. Beim Wecker stellen, hatte ich aber die 6 als Laborzeit im Kopf.
However...ich war eine Stunde zu früh! Typisch, oder???

Für mich war das doppelt ärgerlich, weil meine erste Nacht hier total bescheiden war. Das liegt nicht an der Klinik - es war leise, das Bett ist grundsätzlich auch bequem - aber eben alles nicht meins. Ich wollte extra pünktlich schlafen gehen, damit ich meinen Labortermin um 06:00 Uhr (kopfschüttel!) nicht verpasse. Hat aber nicht geklappt. Nicht nur dass Bett, Kissen und alles drumherum fremd ist, es sind mir auch so viele Sachen durch den Kopf gegangen. Jedenfalls hat es mindestens bis 1:00 Uhr gedauert bis ich eingeschlafen war, und dann bin ich im Stundentakt aufgewacht. Hoffe das wird noch besser, sonst kann sich bald jemand von euch auf den Weg machen um mich rotäugigen Zombie nach Hause zu holen.

Nach dem Labortermin um 7:00 Uhr sollte ich auf meinem Zimmer auf die Chefarzt-Visite warten. Ich musste lange warten. Der Chefarzt meinte:
  1. die Klinik wäre auf Lymphödeme spezialisert (das wusste ich schon)
  2. sie können meine Lymphödeme gut behandeln (davon bin ich ausgegangen)
  3. man kann nicht unbedingt davon ausgehen, dass die Behandlung in der Klinik auch bei den anderen Symptomen der Autoimmunkrankheit Wirkung zeigt (das hat mich enttäuscht)
  4. versuchen kann mans ja trotzdem - falls es nichts bringt habe ich zumindest ein Problem weniger (es war leider bisher mein kleinstes - finde ich zumindest)
Nach dem Labortermin bin ich frühstücken gegangen. Danach hatte ich meine erste "Therapie". Was mich da erwartet, wusste ich nicht genau. Es war Schaumstoff. Darin, und in Unmengen anderes Wickel- und Bindematerial wurden meine Beine gepackt. Jetzt sehen sie so aus:







Passt natürlich in keinen Schuh - deshalb mussten meine heiß geliebten Crogs dran glauben und aufgeschnitten werden. Ich bin damit dem Michelin-Männchen noch mindestens 2 Stufen näher gekommen. :)

Mit diesen Bandagen soll ich jetzt jeden Tag ganz viiiieeeel Sport machen, möglichst salzarm essen und dann werden die Beine wieder besser. Sagt man so. Das Zeug bleibt auch über Nacht dran, morgens darf ich sie abmachen, duschen und dann wieder zur Therapeutin die mich neu einwickelt.

Nach den Chefarzt und Therapeutinneninfos bin ich auf mein Zimmer gegangen und musste erst mal eine ausgiebige Runde heulen und mich bemitleiden. Ich war müde, hatte Kopfweh und keine der heutigen Infos hat mir so richtig gefallen. Außerdem habe ich so eingeschnürt echt Platzangst!

Nach dem Mittagessen sah die Welt zum Glück schon ein wenig besser aus. Im Michelin-Anzug fühlt man sich unter all den anderen Michelin-Männchen und -Weibchen, die um die Tische sitzen, plötzlich gar nicht mehr soooo schrecklich. Und immerhin hab ich die Teile nur an den Beinen.

Bei meiner ersten Gymnastikstunde hatten alle was zu lachen. Wir machen Kindergartenübungen (z.B. auf dem Petziball sitzen und uns Bälle zuwerfen und zukicken), aber es ist echt schwierig in voller Montur.

Noch besser war danach der Kurs "Dance und Step-Aerobic". Ihr müsst euch das echt mal bildlich vorstellen: Zwanzig überwiegend füllige Damen, in Schaumstoff gewickelt (manche auch an Armen und Oberkörper) die hinter der Trainerin hertanzen und zur Musik lauter Step-Kick-Side-Kick-Drehung-Kram machen. Ein bißchen wie Kung-Fu Panda! Ich glaube wenn man das filmen würde, wäre es innerhalb kürzester Zeit der Burner bei Youtube. Mach ich aber natürlich nicht. Denn irgendwie ist es ja auch schön, so einen geschützten Raum zu haben, in dem es nicht auf das Erreichen der Perfektion, sondern das Streben danach ankommt. Hab ich doch schön gesagt, oder? Könnte fast mein Schlusswort sein, aber es ging ja noch weiter.

Nach dem Stepkurs hatte ich eine halbe Stunde Pause, dann gings mit den Walkingstöcken raus in die Natur. Das Wetter hier ist übrigens seit gestern Nachmittag so:



 Erstaunlicherweise hat mir das Walken trotzdem Spaß gemacht. Obwohl aufgeschnittene Crogs sicher nicht der neueste Walking-Hit werden. Ich muss mich am Wochenende mal nach geeigneterem Schuhwerk umsehen.

Nach dem Walken hatte ich dann endlich den Internetanschluss im Zimmer und konnte meinen Tagesbericht von gestern online stellen. Danach gabs Abendessen und seit dem Abendessen sitze ich wieder hier am Rechner. Vielleicht lerne ich in den nächsten Tagen ja noch, mich kürzer zu fassen. Wäre schön, bald von euch zu hören.
:-*  :-*  :-*

Angekommen!

Hallo!

Nach einigen Monaten Wartezeit bin ich heute morgen in Hinterzarten angekommen. Die Földiklinik, die mich in den kommenden Wochen beherbergen wird, sieht aus wie man sich eine typische Schwarzwaldklinik vorstellt. Hübsch hier, oder? Professor Brinkmann habe ich aber leider (oder zum Glück???) noch nicht getroffen. Ich weiß nicht mehr ob der gut war. War er wie der Dr. House der 80er??? Egal...!



Direkt vom Empfang wurde ich zu einer Volumenmessung geschickt. Der Schwerpunkt der Klinik ist die Behandlung von Lymphödemen. Damit man Behandlungserfolge gut nachweisen kann, muss man zuerst ausmessen wieviel Lymphe überall so verteilt ist. Das ist zumindest meine Laienerklärung. Allzuviel auf medizinische Details will ich hier sowieso nicht eingehen, es gibt sicher Spannenderes.

Nach der Volumenmessung durfte ich meine Sachen ins Zimmer bringen. Mein Zimmer finde ich echt gut. Ich habe ein schönes, ziemlich neues Einzelzimmer mit einem kleinen Bad. Hier werde ich also die nächsten Wochen verbringen:






Was echt gewöhnungsbedürftig ist: Es gibt keinen Schlüssel. Sieht also aus wie ein kleines Hotelzimmer, ist aber eben doch Krankenhausstandard. Ich erschrecke mich jedesmal, wenn hier plötzlich jemand reinlatscht. Und das kommt relativ häufig vor. Mal will sich die Nachtschwester vorstellen, mal kommt die Putzfrau zum saugen und Bad putzen, dann ist Visite und das Zimmer füllt sich langsam aber unaufhaltsam mit Ärzten...! Da ist nix zu machen.

Die Stationsärztin, die mich aufgenommen hat, fand ich echt schräg. Ich glaube sie ist Russin, nicht mehr ganz jung und total wirr. Was die mit meinen Unterlagen angestellt hat war fast wie ein Verschwindezauber. Maximale Unordnung auf minimalem Raum. Die Stationsschwester, die das ganze später ergänzen musste heißt übrigens Sonja und hat sich plötzlich schlappgelacht, als sie mich nach meinem Geburtsnamen gefragt hat. Lag aber nicht daran, dass der so lustig war - sie ist wie ich eine geborene "Sailer". Da sie aus Berlin kommt, sind wir vermutlich nur namensverwandt.

Das erste Mittagessen war okay. Markus würde zwar die Krise bekommen, weil am Salz gespart wird und es natürlich auch nirgendwo einen Streuer zum nachsalzen gibt, aber ich fand es ganz in Ordnung. War irgendein gedünsteter Fisch mit Tomatenreis.

Am Nachmittag habe ich mich hier ein wenig eingerichtet, mich im Haus umgesehen und ich bin in verschiedene Dinge eingeweisen worden. Beim Abendessen habe ich meine Tischnachbarn kennengelernt - die sind beide glaube ich ganz nett. Alles in allem: Ein ganz ordentlicher erster Tag. Morgen dann mehr Infos.

Liebe Grüße,
Sonja