Heute früh um kurz vor 6 hat das Telefon auf meinem Nachttisch geklingelt. Ich war noch im Bett, weil ich heute ausnahmsweise bis halb sieben hätte schlafen können, und bin furchtbar erschrocken. Am Klingeln erkannte ich, dass es ein interner Anruf war.
"Guten Morgen Frau Neuwirth, hier Strumpfanpassung. Ihre Erstversorgung ist angekommen. Um wieviel Uhr haben Sie heute Therapie? Sagen sie bitte ihrer Therapeutin, dass heute nur Lymphdrainage gemacht werden soll und nicht gewickelt wird. Nach der Therapie kommen Sie bitte gleich bei uns zur Anpassung vorbei?"
Ich habe vermutlich irgendetwas Zustimmendes genuschelt und bin nach einer Stunde Lypmphdrainage in die Strumpfanpassung gewackelt. Dort haben sich zwei nette Schwestern rechts und links neben mich auf die Liege gesetzt, sich Gummihandschuhe mit Noppen und mir eine seidene Anziehhilfe übergestreift und mich mit vereinten Kräften in ein schickes, neues Paar Flachstrickkniestrümpfe gezwängt.
Es war im wahrsten Sinne des Wortes eine Hau-Ruck-Aktion. Es braucht nämlich viele Hau-Rucks bis die Teile richtig sitzen. Das soll ich zukünftig täglich alleine hinbekommen??? Wird sicher spannend. Die Noppenhandschuhe habe ich mir dort gleich gekauft, die brauchten die netten Schwestern nämlich nicht weil sie mich eklig fanden, sondern damit man "besseren Grip" beim Strumpfanziehen hat und beim Hochziehen keine Blasen an den Fingern bekommt.
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| Noppenhandschuhe und Anziehhilfe |
Wenn die Strümpfe dann erstmal sitzen, sind sie gar nicht so unbequem. Das hatte ich mir schlimmer vorgestellt. Was heute noch fehlt, sind die Zehenkappen. Die bekomme ich vermutlich morgen erst, da sie bei einem anderen Hersteller bestellt wurden. Die Zehenkappen kommen dann noch unter die Strümpfe. Ich weiß nicht, ob ich damit noch in irgendeinen alten Schuh komme. Leider brauchen die meisten Patienten mit Zehenkappen UND Strümpfen ihre Schuhe eine Nummer größer. Aber wo bekomme ich gescheite Damenschuhe in Größe 44 her??? Das war mit 43 ja schon katastrophal schwierig. Ich werde das testen, sobald ich die Zehenkappen habe und euch von meinen Erfahrungen berichten.
Fertig bestrumpft sieht das Bein übrigens so aus:
Ich finde es gibt Schlimmeres. Wenn es hilft, den Fuß flach zu halten soll es mir recht sein.
Nach zwei Stunden tragen musst ich mich in Strümpfen bei der Stationsärztin vorstellen, die den Sitz kontrolliert hat und gleich noch was zu bemängeln hatte. Also nochmal zur Strumpfanpassung, die haben aber nur etwas geraderücken müssen, nicht neu bestellen.
Bei meiner Psychotherapeutin hatte ich heute schon mein Abschlussgespräch. Sie sagt ich bin psychisch stabil und sehr reflektiert, deshalb macht sie sich überhaupt keine Sorgen um mich. Den Umgang mit chronischen Krankheiten muss man lernen, dass man mal bessere und schlechtere Tage oder Wochen hat ist völlig in Ordnung.
Ich habe noch eine Literaturliste von ihr bekommen sowie den Rat mir trotzdem in der Heimat einen Psychotherapeuten zuzulegen. Sie meint, die Wartezeiten bei den Kollegen sind wahnsinnig lang, man hat keine Chance einen Termin zu bekommen, wenn man spontan Unterstützung braucht. Also sollte man sich beizeiten einen vertrauenswürdigen Psychotherapeuten suchen, sich auf die Warteliste setzten lassen und nach der Kennenlernphase z.B. nur vierteljährlich Termine vereinbaren. Wenn dann etwas akut wird, eine Verschlechterung des Krankheitsbildes auftritt oder auch Probleme anderer Art, kann man ziemlich einfach die Terminfrequenz erhöhen. Wenn die schlechte Phase wieder vorbei ist, fährt man wieder in den Ruhemodus runter. Das klingt für mich ganz vernünftig, also werde ich mich auf die Suche machen, wenn ich wieder zuhause bin.
Autogenes Training klappt schon besser, erste Meditationserfahrung habe ich auch. Jetzt noch eine Gesprächstherapie beim Psychotherapeuten, dann bin ich bestimmt noch viel gechillter. Vielleicht werde ich bald Guru?
:D :D :D