Samstag, 22. September 2012

Schwäbisch

Als ich heute morgen aufgewacht bin und aus dem Fenster geschaut habe, schüttete es wie aus Eimern. Vorbei war es mit dem schönen Spätsommerwetter, das mich die letzten beiden Tage nach draußen gezogen hat.

Nach dem Frühstück habe ich das Samstag-Vormittag-Programm durchgezogen. Unter anderem gehörte eine halbe Stunde Aerobic dazu, nach der ich vor lauter Erschöpfung beinahe gereihert hätte.

Dann ging es zu einem heute leider mehr als dürftigen Mittagessen. Es gab irgendeine dünnflüssige Kohlsuppe in der 5 Klümpchen Kartoffeln und 7,3 Gramm Rindfleisch rumgeschwommen sind. Zum ersten Mal seit ich hier bin, bin ich hungriger vom Tisch aufgestanden als ich mich hingesetzt habe.

Trotzdem sind wir Nachmittags, als es aufgehört hatte zu regnen, noch etwas Laufen gegangen. Zwischendurch haben wir im Kurhaus von Hinterzarten halt gemacht. Noch nie haben mich die Kuchen und Torten dort (vor allem die Schwarzwälder) so sehr angemacht wie heute. Aber ich war brav und habe nur eine Flasche Mineralwasser getrunken.

Nach dem Abendessen sind Marion und ich mit einer weiteren Patientin nach Titisee-Neustadt ins Kino gefahren. Das Kino an sich war schon sehenswert, weil es so ein altes Samt-Plüsch-Teil war. Der Film war ein echter Brüller. Wir haben uns eineinhalb Stunden schlappgelacht. Bitte schaut euch den an, falls er bei euch noch läuft und ihr Schwäbisch versteht.

Hier der Trailer - Die Kirche bleibt im Dorf

Ich gehe schlafen. Gute Nacht!

Freitag, 21. September 2012

Alles wird gut!

Es hat zwar jetzt fast zwei Wochen gedauert, aber inzwischen habe ich mich hier ganz gut eingelebt. Ich habe losen Kontakt zu verschiedenen, ganz netten Leuten mit denen man immer mal was unternehmen kann und finde mich insgesamt schon viel besser zurecht.

Heute Vormittag war ich zuerst im Untersuchungs-und Therapiestress, danach habe ich mein Fitnessprogramm durchgezogen. Heute habe ich insgesamt eine halbe Stunde Ausdauertraining an den Geräten gemacht. Angefangen habe ich vor einer Woche mit 15 Minuten.
Ein paar von euch haben mich schon gefragt, ob hier alle so viel Sport treiben müssen, oder ob sich das die Ärzte für mich ausgedacht haben. Das Sportprogramm ist hier tatsächlich fester Bestandteil der Therapie und bringt den Lymphfluss in Gang. Von außen wirkt die Kompression, von innen die Muskeln und zusammen sollen die die Lymphe aus dem Gewebe pressen und abtransportieren. So habe ich das zumindest verstanden. Hat also nix mit meinen persönlichen Defiziten in diesem Bereich zu tun :-p

Das Mittagessen heute war das Leckerste, was ich hier gegessen habe. Zuerst gab es eine Gemüsecremesuppe, dann einen Fisch, (weiß leider nicht mehr welchen) der total lecker mit ganz vielen Kräutern abgeschmeckt war, dazu Wildreis und eine leckere Sauce. Zum Nachtisch hat jeder eine Nektarine bekommen.

Heute Nachmittag war ich mit Marion, meiner Tischnachbarin beim Autogenen Training. Das war meine erste Stunde, aber es werden noch einige folgen. Hat bei mir jedenfalls voll eingeschlagen und war soooo entspannend! Danach sind wir wieder rausgegangen, wandern. Heute ohne Stöcke, ich war noch etwas angeschlagen von der Tour gestern. Marion hat mir eine neue Strecke am Waldrand entlang gezeigt, die hat mir sehr gut gefallen. Unter anderem sind wir an den riesigen Skisprungschanzen vorbei gekommen, an denen letztes Wochenende der Sommer Grand Prix stattgefunden hat.

  

Kurz darauf kamen wir noch an einem Gehege mit Rehen und einem süßen Kitz vorbei. Die waren auch sehr niedlich. Überhaupt ist es hier in Hinterzarten echt hübsch. Könnt mich also gerne alle mal besuchen kommen!





Die Beste Nachricht dieses Tages ist aber die folgende: Ich darf nächstes Wochenende hier raus um auf Muftis und Kerstins Hochzeit zu gehen! Also, ein großes Hurra, ich freue mich schon tierisch!!!! Das hätte ich nicht verpassen wollen :)

Mache jetzt noch Zimmerparty bei mir. Bis morgen :D

Donnerstag, 20. September 2012

Fortschritte

Heute war ein sehr schöner Tag. So langsam bekomme ich ein wenig Kontakt zu anderen Patientinnen. Eine, die ich von Anfang an schon sehr sympathisch fand, sollte heute eine neue Tischnachbarin bekommen. Da meine beiden Herren morgen abreisen, habe ich vorgeschlagen mich an ihren Tisch versetzen zu lassen. Das hat zwar für kurzfristige Verwirrung in der Küche gesorgt, aber es hat geklappt. Jetzt habe ich nicht nur einen schöneren Platz im Speisesaal, sondern endlich eine sehr nette Tischgesellschaft, die ganz gut zu mir passt und die gleichen Programme durchzieht.

Heute Nachmittag haben wir das Sport- und Fitnessprogramm in der Halle kurzfristig durch einen Nordic-Walking-Nachmittag ersetzt und uns blendend dabei unterhalten. Das Wetter war so schön, die Sonne schien, der Himmel war blau, wir hatten über 20°C. Das kommt hier sicher nicht mehr so oft vor, da es Abends schon recht kühl ist und bei Nacht sogar schon Frost gab. Wir sind insgesamt 6 km gelaufen, teilweise auch ganz schön auf und ab. Zumindest für meine Verhältnisse.

Oben
Das für den Abend geplante Fitnesstraining schaffe ich jetzt wohl nicht mehr - meine Beine fühlen sich an, als hätte mir die Mafia Betonschuhe verpasst!

Ich hoffe die Nachtschwester kommt gleich, ich habe in meinem Terminplan für morgen leider einige Ungereimtheiten (sprich: Terminüberschneidungen). Das muss ich noch klären.

Danach möchte ich gerne endlich einmal wieder mit meiner Familie quatschen - freiwillig melden die sich nicht bei mir. :(  :(   :(

Mein Tag wird um 22:30 Uhr mit der Einnahme einer mysteriösen Tablettenhälfte enden. Angeblich enthält sie irgendwelche Hormone, die mein Körper über Nacht abbauen sollte. Um zu sehen, inwieweit das gelungen ist, wird mir morgen früh noch einmal Blut abgenommen. Ich bin gespannt!

Wünsche euch allen einen schönen Abend.
Bis morgen!

Mittwoch, 19. September 2012

Terminpläne

Ihr wundert euch sicher, dass ich heute so spät dran bin mit Schreiben. Das liegt ganz einfach am Rehastress. Im Vergleich zu den Terminplänen von heute und morgen war die letzte Woche noch das reinste Zuckerschlecken.

Die Ärzte reißen sich um mich, und wollen alle mit mir reden. Mein Sportprogramm und die eigentlichen Therapiestunden dürfen natürlich auch nicht vernachlässigt werden. Heute bin ich erst nach dem Abendessen zum Fitnesstraining gekommen, und ab 20:00 Uhr habe ich Wäsche gewaschen - es ist unglaublich, was hier in einer starken Woche schon alles zusammengekommen ist!

Mein Terminplan morgen sieht folgendermaßen aus:

05:00 Uhr: Aufstehen, Beine auspacken, anziehen     
06:00 Uhr: Melden im Schwesternzimmer, Blutdruck und Gewichtskontrolle
danach:      ca. 1 - 1,5 Stunden Kompressionsmaterial wickeln
07:50 Uhr: nüchtern (also vorher auch nix trinken!) zur Blutentnahme ins Labor
08:00 Uhr: Frühstücken
08:30 Uhr: Bewegungsprogramm, Sanfte Haltungsschulung (bis 09:15 Uhr)
09:15 Uhr: Bewegungsprogramm, Wirbelsäulengymnastik (bis 09:45 Uhr)
danach:      schnell aus Zimmer, waschen, umziehen, im                                                       Schwesternzimmer Sozialanamnesefragebogen holen
10:30 Uhr: Lymphdrainage und Wickeln (die Beine, nicht was ihr meint!), Dauer 1 Stunde
11:30 Uhr: Sozialberatung da geht es um berufliche Weiterentwicklung und Rehabilitation, soll circa. 1,5 Stunden dauern
12:30 Uhr: Mittagessen
13:30 Uhr: Entstauende Beingymnastik (bis 14:00 Uhr)
14:00 Uhr: Tanz (bis 14:30 Uhr)
14:30 Uhr: Step Aerobic (bis 15:00 Uhr)
15:00 Uhr: Entspannung (bis 15:30 Uhr)
15:30 Uhr: Walking (bis 16:30 Uhr)
16:30 Uhr: PAUSE (bis 17:30 Uhr)
17:30 Uhr: Abendessen
irgendwann danach: Gerätetraining

Krasse Sache, oder? Jedesmal, wenn ich ins Zimmer zurückkomme liegen irgendwelche neuen Termine für mich auf meinem Schreibtisch. Ich brauche bald eine Assistentin um hier den Überblick zu behalten. Am besten eine so unersetzliche wie Claudia!



Naja, da ich morgen wieder so früh raus muss und ein volles Programm habe, hole ich jetzt noch meine Wäsche aus dem Trockner und gehe dann schlafen.

GÄHN!!!

Bis morgen abend :)





Dienstag, 18. September 2012

Schlafende Wölfe

Der Tag heute war bis vor einer halben Stunde relativ unspektakulär. Ich war morgens in Therapie und beim Sportprogramm, am Nachmittag hatte ich zwei Arztgespräche und habe ein wenig telefoniert.

Das einzig Besondere (phänomenale, spektakuläre, unglaublich tolle) an diesem Tag ist eine Nachricht aus dem Labor: Mein Wolf (lat. lupus) ist wohl eingeschlafen. Zumindest konnte man im Blut keine aktiven Antikörper mehr nachweisen. Jetzt übe ich Jubeltänze in meinem Zimmer!!!

Systemischer Lupus Erythematodes, schlafend (in Remission)


Zur Sicherheit wird der Test am Donnerstag noch einmal wiederholt, aber ich glaube das stimmt! Habe schon zwei Wochen vor Beginn der Reha zu Markus gesagt, dass sich bei mir was ändert und ich mich in einigen Punkten deutlich besser fühle.

Da man schlafende Wölfe ja bekanntlich nicht wecken soll, muss ich jetzt besonders gut auf mich aufpassen und diese -hoffentlich seeeehr lange- Ruhepause nutzen um wieder fit zu werden. Eine kritische Schwelle gibt es noch: Ab morgen fangen wir an die Cortisonpräparate auszuschleichen. Das wird einige Wochen dauern, da ich ja immer noch eine ganze Menge abbauen muss. Wenn das erledigt ist, und es keine neuen Probleme gibt, stehen die Chancen gut dass es eine lange Remissionsphase gibt.

Also meine Lieben, hebt ein Gläschen für mich und drückt mir die Daumen!
Ich gehe solange weitertanzen ;-)
Bis morgen!



Montag, 17. September 2012

Einsamkeit

Heute ist ein blöder Tag! Ich habe schlecht geschlafen, und seit heute morgen bin ich die ganze Zeit alleine. Meine Therapeutin, mit der man sich normalerweise sehr gut unterhalten kann, war platt vom Wochenenddienst. Frühstücken war ich heute später, da ich ja vorher Therapie hatte. Meine beiden Tischherren waren schon weg als ich kam, also habe ich alleine gefrühstückt. In den Sportgruppen heute Vormittag gab es lauter neue Gesichter. Vor dem Mittagessen habe ich noch mein tägliches Gerätetraining durchgezogen. Beim Mittagessen war ich wieder alleine am Tisch. Ab da habe ich mir schon ziemlich verzweifelt irgendjemanden gewünscht, mit dem ich wenigstens ein paar Sätze wechseln kann.

Heute nachmittag in der Tanzgruppe habe ich dann endlich eine "Bekannte" von der gestrigen Wanderung gesehen - doch vor Ende der Stunde musste ich schon abbrechen, weil meine Blasen an den Fersen aufgegangen sind. Also bin ich in mein Zimmer gegangen und musste abwickeln. Deshalb gab es heute auch kein Abendwalking für mich. Beim Abendessen saß ich wieder alleine an meinem Tisch, da meine Tischnachbarn heute Abend Abschied von einem "Rehakumpel" feiern, der morgen entlassen wird - mit richtigem Essen auf seinem Zimmer.

Irgendwie hat hier schon jeder einen "Kumpel" oder irgendwelche "Freundinnen", nur ich bekomme das nicht auf die Reihe. Meistens sitzen abends, nach dem Essen, noch haufenweise Leute draußen rum - nach diesem kommunikationslosen Tag habe ich mir fest vorgenommen mich einfach dazu zu setzen und zu versuchen mit jemandem ins Gespräch zu kommen. Aber heute ist trotz schönstem Wetter weit und breit niemand in Sicht. Habe mich sogar selbst einfach rausgesetzt und gehofft, es kommt noch jemand dazu. Kam aber niemand. Nach einer Stunde kam ich mir blöd vor und bin auf mein Zimmer gegangen. Warum bin ich so ein Außenseiter??? Und warum seid ihr alle so weit weg???

Es kann nur besser werden...! Drückt mir die Daumen.

Liebe Grüße,

Eure einsame Sonja



Sonntag, 16. September 2012

Wandern

Heute morgen habe ich das Frühstück sausen lassen, weil ich wenigstens an diesem Sonntag auf den morgendlichen Weckerstreß verzichten wollte. Ich bin, seit ich hier bin, noch keinen Tag später als um 06:00 Uhr aufgestanden. Aber so ist eben die deutsche Form der Erholung.

Ich habe mein Zimmer etwas aufgeräumt, Wäsche sortiert und bin erst zum Mittagessen runter in den Speisesaal gegangen. Das Wetter war traumhaft: Sonnenschein, 24°C. Ich hatte vor, mich am Nachmittag in der Umgebung der Klinik umzusehen und ein wenig spazierenzugehen. Die beiden Herren an meinem Tisch wollten wieder einmal zum Titisee wandern. Sie kennen da eine ganz besonders schöne Strecke - es geht zwar viel auf und ab und sie ist auch 15 km lang, aber landschaftlich wirklich unschlagbar. Ich habe dankend abgewunken, mehr als 2 oder 3 Kilometer sind bei mir derzeit nicht drin - noch dazu mit Bandagen!

Aber alleine wandern ist echt doof. Ich weiß schon wie das bei mir endet: Ich nehme mir ein Buch mit, habe nach ein paar hundert Metern keine Lust mehr zu laufen und sitze irgendwo rum bis es kalt oder spät ist. Auf dem Heimweg bin ich dann frustriert, weil ich nicht weiter gekommen bin. Oder ich verlaufe mich, und dann muss ich irgendwo anrufen und mich retten lassen.

Gestern nach dem Training habe ich (auf der Suche nach Verbündeten ;-)) ein paar Worte mit einer Mitpatientin gewechselt. Sie hat mir gesagt, dass dies ihr erstes Wochenende ohne Besuch sein wird. Also habe ich mir ein Herz gefasst und bin nach dem Essen an Ihren Tisch gegangen und habe sie gefragt was sie heute Nachmittag vor hat. Sie sagte, sie will mit der, der und der (3 Patientinnen an ihrem Tisch) eine Wanderung durchs Moor und dann zum Titisee machen. Ich soll doch unbedingt mitkommen. Als ich das gehört habe, wollte ich mich noch drücken - aber das hat nicht mehr geklappt. Ich habe zwar gesagt, dass ich das vermutlich nicht schaffe, aber das wollte niemand gelten lassen. Sie laufen alle langsam wegen der Bandagen, sie fahren mit dem Zug zurück, und wenn ich unterwegs gar nicht mehr kann oder will, kann ich ja immer noch abbrechen. Also bin ich halt mitgegangen.

Es war schon anspruchsvoll für mich. Aber als ich nach einer knappen halben Stunde dachte, ich pack das nicht mehr kamen wir an einen kleinen Weiher und unsere Anführerin, die alle Stecken rund um die Klinik auswendig kennt, hat vorgeschlagen eine kleine Rast zu machen.

Der Rastweiher

Drei meiner vier Mitstreiterinnen
Siehe da, nach ein paar Minuten Pause im Schatten und einem Schluck Wasser konnte ich doch noch weiter mitlaufen. 

Als ich zum zweiten Mal kurz vor dem Aufgeben war (natürlich mitten an einer langen, sonnigen Steigung), war plötzlich ein Ende des Hügels in Sicht und und unsere Anführerin meinte, danach wird das Laufen gleich angenehmer weil es dann wieder durch den Wald geht. Es war tatsächlich so - kurz darauf wurde der Weg eben und schattig, und wir haben an Miniaturschwarzwaldhäusern kurz Rast gemacht.

Die Männchen da drin bewegen sich - angetrieben von einem kleinen Wasserlauf

Also bin ich weitermarschiert. Ich habe es tatsächlich geschafft, bis zum Titisee zu laufen. Als wir uns dort auf einer schönen Hotelterasse mit wunderbarem Seeblick niedergelassen hatten, waren es exakt 5 km, die wir gelaufen waren.

Der Titisee - ein schönes Ziel!


Nach einer ausgiebigen Pause auf der Hotelterasse und einer Flasche kühlem Sprudel sind wir später noch ein Stück am Titisee entlanggelaufen, dann zum Bahnhof und in Hinterzarten wieder vom Bahnhof zur Földiklinik. Insgesamt: 7 km Wegstrecke! Ich hätte niemals gedacht, dass ich so lange durchhalten kann.

Wir kamen hier pünktlich zum Abendessen an. Ich war zwar total am Ende, aber es war ein echt schöner Sonntagnachmittag. Heute Abend mache ich nichts anderes mehr, als die Beine hochlegen und entweder fernsehen oder lesen. Morgen muss ich um 6:00 Uhr zu meinem ersten Termin, das heißt spätestens um 05:00 Uhr aufstehen.

Ich wünsche euch eine gute Nacht!