Ich habe mein Zimmer etwas aufgeräumt, Wäsche sortiert und bin erst zum Mittagessen runter in den Speisesaal gegangen. Das Wetter war traumhaft: Sonnenschein, 24°C. Ich hatte vor, mich am Nachmittag in der Umgebung der Klinik umzusehen und ein wenig spazierenzugehen. Die beiden Herren an meinem Tisch wollten wieder einmal zum Titisee wandern. Sie kennen da eine ganz besonders schöne Strecke - es geht zwar viel auf und ab und sie ist auch 15 km lang, aber landschaftlich wirklich unschlagbar. Ich habe dankend abgewunken, mehr als 2 oder 3 Kilometer sind bei mir derzeit nicht drin - noch dazu mit Bandagen!
Aber alleine wandern ist echt doof. Ich weiß schon wie das bei mir endet: Ich nehme mir ein Buch mit, habe nach ein paar hundert Metern keine Lust mehr zu laufen und sitze irgendwo rum bis es kalt oder spät ist. Auf dem Heimweg bin ich dann frustriert, weil ich nicht weiter gekommen bin. Oder ich verlaufe mich, und dann muss ich irgendwo anrufen und mich retten lassen.
Gestern nach dem Training habe ich (auf der Suche nach Verbündeten ;-)) ein paar Worte mit einer Mitpatientin gewechselt. Sie hat mir gesagt, dass dies ihr erstes Wochenende ohne Besuch sein wird. Also habe ich mir ein Herz gefasst und bin nach dem Essen an Ihren Tisch gegangen und habe sie gefragt was sie heute Nachmittag vor hat. Sie sagte, sie will mit der, der und der (3 Patientinnen an ihrem Tisch) eine Wanderung durchs Moor und dann zum Titisee machen. Ich soll doch unbedingt mitkommen. Als ich das gehört habe, wollte ich mich noch drücken - aber das hat nicht mehr geklappt. Ich habe zwar gesagt, dass ich das vermutlich nicht schaffe, aber das wollte niemand gelten lassen. Sie laufen alle langsam wegen der Bandagen, sie fahren mit dem Zug zurück, und wenn ich unterwegs gar nicht mehr kann oder will, kann ich ja immer noch abbrechen. Also bin ich halt mitgegangen.
Es war schon anspruchsvoll für mich. Aber als ich nach einer knappen halben Stunde dachte, ich pack das nicht mehr kamen wir an einen kleinen Weiher und unsere Anführerin, die alle Stecken rund um die Klinik auswendig kennt, hat vorgeschlagen eine kleine Rast zu machen.
| Der Rastweiher |
| Drei meiner vier Mitstreiterinnen |
Als ich zum zweiten Mal kurz vor dem Aufgeben war (natürlich mitten an einer langen, sonnigen Steigung), war plötzlich ein Ende des Hügels in Sicht und und unsere Anführerin meinte, danach wird das Laufen gleich angenehmer weil es dann wieder durch den Wald geht. Es war tatsächlich so - kurz darauf wurde der Weg eben und schattig, und wir haben an Miniaturschwarzwaldhäusern kurz Rast gemacht.
| Die Männchen da drin bewegen sich - angetrieben von einem kleinen Wasserlauf |
Also bin ich weitermarschiert. Ich habe es tatsächlich geschafft, bis zum Titisee zu laufen. Als wir uns dort auf einer schönen Hotelterasse mit wunderbarem Seeblick niedergelassen hatten, waren es exakt 5 km, die wir gelaufen waren.
| Der Titisee - ein schönes Ziel! |
Nach einer ausgiebigen Pause auf der Hotelterasse und einer Flasche kühlem Sprudel sind wir später noch ein Stück am Titisee entlanggelaufen, dann zum Bahnhof und in Hinterzarten wieder vom Bahnhof zur Földiklinik. Insgesamt: 7 km Wegstrecke! Ich hätte niemals gedacht, dass ich so lange durchhalten kann.
Wir kamen hier pünktlich zum Abendessen an. Ich war zwar total am Ende, aber es war ein echt schöner Sonntagnachmittag. Heute Abend mache ich nichts anderes mehr, als die Beine hochlegen und entweder fernsehen oder lesen. Morgen muss ich um 6:00 Uhr zu meinem ersten Termin, das heißt spätestens um 05:00 Uhr aufstehen.
Ich wünsche euch eine gute Nacht!
Bin stolz auf dich! :-) Gute Nacht.
AntwortenLöschen:)) suuuuper! bin super stolz auf dich meine liebe... beim lesen dachte ich << oh nein, du gibst doch hoffentlich nicht einfach so auf >> und als ich am ende deines text ankam, hatte ich ein lächeln ... du hast es geschafft... kann mir vorstellen, dass es schwer ist mit den bandagen ... ich hätte wahrscheinlich schon nach ein paar meter aufgegeben :D ... weil ich viel zu faul bin :D
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