Donnerstag, 13. September 2012

Mahlzeit!

Heute Morgen habe ich als erstes ganz gespannt meine Beine ausgepackt. Sie sind jetzt gestreift und ich glaube auch schon ein kleines bißchen weniger geschwollen. Das kann aber auch Einbildung sein. Um 06:40 Uhr hatte ich einen Labortermin. Danach bin ich, nichts Böses ahnend, zur Therapie gegangen. Meine Therapeutin hatte sich aber was Nettes für mich einfallen lassen - diesmal habe ich das Hardcore-Programm bekommen: Bin jetzt bis unter die Brust fixiert!!!

Damit mir mit den vielen Bandagen auch nicht zu kalt wird, bin ich zur Geräteeinweisung ins Fitnessstudio gegangen. Da die Zeiten mit den regelmäßigen Besuchen bei McFit bei mir ja noch nicht soooo lang her sind, ging die Einweisung schnell. Die Trainerin hat noch einen Pulsbereich und Trainingsziele mit mir abgestimmt, dann konnte ich schon loslegen.

Während ich auf dem Laufband so vor mich hingetrampelt bin, habe ich zwei distinguierten älteren Damen zugehört, die sich ganz furchtbar über irgendeine Frau am gleichen Tisch aufgeregt haben, die sich zu jedem Tee zwei Tütchen Zucker nimmt. Das hat sie wohl auch heute morgen gemacht, "obwohl sie genau gesehen hat, dass es die letzten beiden Zuckerportionen am Frühstücksbuffet waren!" Ich habe mich etwas darüber gewundert, dass sich die beiden Damen so ernsthaft und erbost über zwei Tütchen Zucker aufgeregt haben, habe aber vermutet dass da noch mehr dahintersteckt. Vielleicht schmatzt oder spuckt die Frau ja auch beim Essen, oder ist aus anderen Gründen eine unangenehme Tischgenossin.

Bis zum Mittagessen hatte ich die Begebenheit eigentlich schon vergessen. Sie viel mir wieder ein, als mich einer meiner Tischnachbarn gebeten hat, ich solle mir mal anschauen wie die am Nachbartisch die Nudeln aus der Suppe löffeln können. Er meinte das wäre nicht fair, denn wir hätten ja viel weniger Suppennudeln in unserer armseligen Brühe als die beiden Herren am Nachbartisch. Dabei haben die beiden doch auch den blauen Punkt auf dem Namensschild (=Diätkost). Unverschämtheit!

Soviel habe ich schon gemerkt: Wenn es ums Essen geht, versteht hier keiner Spaß. Das liegt sicher daran, dass mehr als die Hälfte der Patienten sich für Diätkost mit 1200 kcal. pro Tag entschieden haben. Da ich dazu gehöre kann ich bestätigen: Das ist nicht so viel, dass man gerne auf Teile davon verzichtet. Aber dass man dem Nachbarn fünf Nudeln mehr in der Suppe oder ein Tütchen Zucker nicht mehr gönnt, irritiert mich schon ein wenig. Vor allem, da es eigentlich jedem frei steht, die Vollkost-Variante zu wählen. Die will nur keiner, denn wenn man schon in einer Klinik ist, sollte man die günstige Gelegenheit zum Abspecken nutzen. Deshalb wird lieber den anderen das Essen vom Teller geschaut - vom anschauen und abzählen nimmt man ja glücklicherweise nicht zu.

Insgesamt ist es so, dass im doch eher langweiligen Klinikalltag die Mahlzeiten zu den Highlights des Tages gehören. Wer schon länger als eine Woche hier ist, so ist mein Eindruck,  beschäftigt sich schon ab Montag  ausgiebig damit, ob er am kommenden Sonntag lieber Menü 1, "Rinderfilet mit grünen Bohnen"  oder Menü 2, "Kaninchenfleisch mit Kartoffelknödeln und Rotkraut" essen möchte. Darüber wird dann auch mit Tischnachbarn gerne lange und ausgiebig diskutiert. Leider sind hinterher meist alle enttäuscht - egal was sie gewählt haben, das andere Gericht sieht leckerer oder sättigender aus. :-(

Mir schmeckt es bisher ganz gut, und ich bin auch selten hungrig. Aber zuhause hätte ich anders portioniert. Ich lade mir eher zwei Semmelknödel auf den Teller, hier gibt es zu Mittag zwei Scheiben, also einen halben Knödel. Ich werde mich die nächsten Wochen selbst beobachten - wenn ich anfange zu zählen, wieviele Himbeeren ich und wieviele andere zum Nachtisch bekommen, gebe ich euch Bescheid. Dann müsst ihr euer Essen verstecken, bevor ich nach Hause komme.

Bis dahin: Mahlzeit!

6 Kommentare:

  1. Moment mal, ich habe erst zwei Absätze gelesen und stelle mir dich bildlich vor: bis unter die Brust eingemummt... In einem Fitnessstudio... Warum wundert es mich nicht, dass du kein Bild reingestellt hast ;-)

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    1. Ich glaube ich hätte es sogar gemacht. Vor euch ist mir ja nix peinlich. Ich kann mich selbst nur schlecht beim Sport fotografieren - und ich hoffe von den anderen Teilnehmern wird niemals jemand erfahren was ich hier von mir gebe!

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  2. Herrlich! Hört sich irgendwie nach einem Straflager an :-D Hmmm... ob ein Nutella-Brot jetzt angebracht ist?

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  3. Hi Sonja,
    Wir sollten doch berichten, was denn so bei uns so los ist :-) Kannst du haben. Ich sach dir Sonja, lebenswichtige Probleme hier! Aber da wir hier sowieso bei Grundsatzdiskussionen über die Anzahl der Zuckerportionen am Frühstücksbuffet führen, kann meine Story sicherlich mithalten.

    Die Hermes-Paketboten kamen heute vorbei (ja inzwischen kommen sie ja schon zu zweit), du kennst doch das ältere Renterpärchen, das auch bei dir die Pakete vorbeibringt. Ich glaube sie sind jetzt ziemlich beleidigt mit mir. (Jetzt wirst du bestimmt sagen, ja klar, kein Wunder… aber lass mich doch erstmal erzählen.) Sie fanden es nicht so toll, dass ich ihnen nicht erlauben wollte, die Pakete bei den Nachbarn abzugeben und die Frechheit besaß, mich auf die Servicebedingungen von Hermes zu berufen. Hermes kommt ja bekanntlich problemlos bis zu 3 Mal (das sahen die wohl anders…). Da sind sie sofort beleidigt abgedüst!

    Sie haben in letzter Zeit so einiges bei mir geliefert – ich bestell ja andauernd irgendwas für meine Wohnung. Als sie mich letzte Wcohe nicht direkt beim ersten Mal angetroffen haben, wollten sie mich ja schon davon überzeugen, die Pakete in den Paketshop liefern zu lassen. Da habe ich gesagt, dass ich 5,95 EUR für den Versand bezahle und nur in Ausnahmefällen das Paket dann selbst abholen will. OK, vielleicht muss man es ihnen nicht so auf die Nase binden, aber ist doch wahr…

    Und bevor ich ihnen überhaupt erzählen konnte, dass ich früher einmal mein Paket praktisch von "Nachbarn" aus dem Nachbarort abholen musste, sind sie wieder einfach abgedüst. Dabei wollte ich noch die Story von dem Hermes-Paketboten erzählen, der in Ohmenhausen immer um 5 Uhr morgens bei allen Nachbarn geklingelt hat, um irgendwo sein Paket unterzubekommen.

    Jetzt komme ich mir vor wie ein Monster. Die armen Rentner, die wahrscheinlich nur 50ct pro Paket bekommen und dafür auch noch 3 Mal vorbeikommen müssen und ich – eine bequeme Kuh, die für 5,95 EUR weder morgens um 5 geweckt noch ihre Pakete aus dem Nachbarsort abholen will.

    Und ganz abgesehen davon - MEXX hat es nach 10 Emails immernoch noch nicht geschafft den Hinweis „nicht bei Nachbarn abgeben“ aus meiner Adresse zu streichen…

    So, das musste auch mal raus.

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    1. Och Daaanaaaa...!!!
      Du kommst dir nicht vor wie ein Monster, du bist eins. Jetzt hast du meinen absoluten Lieblingspaketboten geärgert. Der alte Rumäne ist echt nett, der hat mir sogar Markus rumänisches Geld zurückgetauscht, das keine Bank ankaufen wollte.
      Naja - manche zicken wegen Zucker, andere wegen Paketen beim Nachbarn ;)

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  4. Jetzt war ich's wieder. Dabei ist er doch einfach nur unhöflich ohne Worte gegangen. Dabei kann ich doch nichts für, dass das blöde Versandhaus meine Adresse nicht richtig abändern kann... Ach was soll's, das klärt sich bestimmt noch, er wird schon irgendwann nochmal kommen müssen.

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